Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 36 (1911))

Dlirchkomrossemente und große Haverei.

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fracht beitragspflichtig sei und den sonstigen gesetzlichen Be-
stimmungen über die große Haverei folge. — Entscheidungen
deutscher Gerichte über vorstehende Frage sind nicht bekannt. Auch
nicht ausländischer, insbesondere englischer Gerichte. Dagegen
haben englische Gerichte mehrfach die Frage entschieden, ob bei
einheitlich kontrahierter Aus- und Heimreise die auf die Heim-
reise entfallende Fracht beitragspflichtig ist für große Haverei auf
der Ausreise. Die Frage ist bejaht, wenn die bedungene einheit-
liche Gesamtsracht für Aus- und Heimreise erst bei Wiederankunft
im Heimatshasen zu zahlen ist; vgl. Carver, Carriage of goods
by 86a, 5 sect. 438; Lowndes, General Average, 1 § 71 S. 310ss.;
Parsons, Law of Shipping 1, 449 ss., 452 ss. Die Bedenken
dagegen stützen sich wesentlich darauf, daß die Heimfracht noch
nicht verdient, sondern eine bloße Möglichkeit sei (Maclachlan,
Law of merchant shipping, 4 725). Mag dieses Bedenken be-
gründet sein oder nicht, so ist es insofern bemerkenswert, als es
gleichzeitig aufklärt, warum die andere Frage: ob die Ausreise-
fracht für Haverei aus der Heimreise beitragspflichtig sei, in der
englischen Rechtsprechung und Literatur gar nicht streitig zu sein,
srndern von den Versicherern ohne weiteres, ohne gerichtliche Ent-
scheidung bejaht zu sein scheint, da jenes Bedenken hier eben nicht
entgegensteht. Ähnlich ist dieser Fall der Aus- und Heimreise dem
Fall des Durchkonnossements insofern, als beim Durchkonnosse-
ment' die Ladung identisch, das Schiff nicht identisch ist, dagegen
im Fall der Aus- und Heimreise das Schiff identisch, aber die
Ladung nicht identisch ist. — Daß im vorliegenden Fall die Ozean-
fracht auch noch auf der Reise des Condor von Bremen nach
Reval im Risiko war, ergibt sich daraus, daß der Empfänger sie
erst nach Vollendung der Reise und Auslieferung der Güter in
Reval zu bezahlen hatte. Hätte diese Frachtsorderung noch dem
Verfrachter zugestanden, so wäre es daher nicht zweifelhaft, daß
sie als „Fracht" im Sinn des Handelsgesetzbuchs beitragspflichtig
wäre für die große Haverei zwischen Bremen und Reval. Das
gleiche müßte der Fall sein, wenn diese Fracht von dem Befrachter
an den Verfrachter definitiv vorausbezahlt worden wäre. Nur
würde dann Inhaber dieser beitragspflichtigen Fracht nicht der
Verfrachter, sondern der Befrachter sein, der durch definitive Vor-

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