Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 5 (1891))

Vergütung nichtökonomischen Schadens aus Delikten.

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daß nicht die Leistung an den Verletzten, sondern die Leistung
seitens des Thäters jene Funktion ausübt, einerlei, ob sie dem
Verletzten zukommt oder nicht, während umgekehrt für die Re-
paration das letztere wesentlich, unwesentlich dagegen die Person
des Leistenden ist.
Eine Probe für die Richtigkeit der Auffassung einer Leistung
als Reparation besteht also darin, daß sie auch, wenn ein Dritter
sie gewährt, ihren Zweck erfüllen, ihn aber verfehlen muß, wenn
sie nicht dem Verletzten zukommt, während es umgekehrt für ihre
Strafnatur spricht, wenn sie auch bei Gewährung an einen Dritten
ihren Zweck (sei es auch in geringerem Maße) erfüllt, ihn aber ver-
fehlt, wenn ein Dritter sie bewirkt. Da die letzteren Merkmale auf
die sogen. Entschädigungen der oben besprochenen Art zutrefsen, so
müssen wir ihnen, unabhängig von den zu ihrer Bezeichnung ge-
brauchten Ausdrücken, die privatrechtliche Natur absprechen.
Neben dieser Gruppe von Gütern steht nun eine andere (es
läßt sich darüber streiten, ob nicht einzelne der unter der ersten
Gruppe angeführten Güter richtiger dieser zweiten zugewiesen würden,
hier kommt es indessen nur auf den Grundsatz, nicht auf seine An-
wendung im einzelnen Falle an), welche zwar ebenfalls nicht-
ökonomischer Natur ist, deren Verletzung aber gleichwohl durch
Geld wieder gut gemacht werden kann. Eine und dieselbe Hand-
lung kann gleichzeitig Güter jeder der drei Gruppen (unter der
dritten werden die wirthschaftlichen Güter verstanden) verletzen.
Eine der oben angeführten Verletzungen von Gütern der
ersten Gruppe kann gleichzeitig durch Verursachung körperlicher
Schmerzen, von Krankheit, Siechthum, Lähmung, Verunstaltung,
Verlust eines Sinnes, eines Gliedes, des Verlustes der mit dem
Besitze eines guten Namens, einer reinen Geschlechtsehre ver-
bundenen Vortheile und Aussichten, der mit dem Besitze der Ellern,
des Ehegatten, der Kinder verbundenen häuslichen Behaglichkeit,
der mit dem freien Gebrauch des Eigenthums verbundenen An-
nehmlichkeiten (auch ein chikanöser Prozeß kann hierher gerechnet
werden) ein Gut dieser zweiten Gruppe treffen, oder ein solches
kann für sich allein verletzt werden (so namentlich, wenn keine Ab-
sicht vorliegt) Eine sichere Charakterisirung eines Gutes wird im
einzelnen Falle oft schwer sein, im Allgemeinen werden wir die der

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