Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 5 (1891))

Die Ideale im Recht.

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entschieden, daß der possessor dem Eigenthümer, wie sonstige
Miethgelder, so auch den Lohn der Bordellmiethe zu ersetzen hat.
Ulpian thut dies, mit einer Begründung allerdings, die unser Gemüth
im Innersten empört, in kr. 27 §. 1 de her. pet.:
Sed et pensiones, quae ex locationibus praediorum ur-
banorum perceptae sunt, venient, licet a lupanario perceptae
sint: nam et in multorum honestorum virorum praediis
lupanaria exercentur.
Aber dieselbe Entscheidung ist noch in anderen Stellen gegeben,
und mit anderer Begründung, nämlich in kr. 52 eod. von Henno-
genion; es wird hier der Grund angegeben:
ne honesta interpretatio non honesto quaestui lucrum
possessori kaciat,
und in kr. 56 eod. sagt Afrikan allgemein, daß der possessor die
Früchte zu restituiren habe:
etsi petitor eos percepturus non fuerat.97)
Jndeß ist der Grund, daß sonst der Kuppler selbst, als der
schuldige Theil, begünstigt würde, unstichhaltig: ist der Erwerb un-
sittlich, so soll das Recht nicht dazu die Hand bieten, daß ein Anderer
an der Unsittlichkeit theilnimmt, auch wenn auf solche Weise der
Hauptschuldige im Besitz verbleibt; es mag auch mißlich sein,
daß ein Hauptthäter vereinbarungswidrig allen Gewinn einstreicht
und dem minder betheiligten Gehülfen nichts giebt, und doch wird
das Recht dem Gehülfen keinen Anspruch geben auf Antheil an dem
Sündengewinn.
Was aber die Stelle des Afrikan betrifft, so ist es aller-
dings nach dem Obigen ganz richtig, daß man dem dominus
auch solchen Gewinn zukommen läßt, den er faktisch zu erwerben
nicht in der Lage gewesen wäre, — aber dies deshalb, weil ja
jeder dominus, der hierzu nicht persönlich in der Lage ist, einen
gestor einsetzen und auf solche Weise den Gewinn sich verschaffen
kann; der Dritte muß sich eben wie ein solcher gestor behandeln lassen.
Aber daraus ist nicht zu schließen, daß der dominus auch den un-
sittlichen Gewinn einstreichen darf, den ein Anderer gemacht hat;

97) Vgl. auch Francke, Kommentar über den Pandektentitel äs Lsreä. ketit.
S. 317.

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