Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 5 (1891))

Die Ideale im Recht.

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Erfüllung an den ersten Käufer unmöglich zu machen. In diesen
Fällen ist nicht etwa bloß der Abschluß, es ist der Vollzug des
zweiten Vertrages, welcher dem ersten widerstrebt; wird der erste
Vertrag erzwungen, so kann der zweite von selbst nicht zur Durch-
führung gelangen. Es beruht dies darauf, daß es statthaft ist,
über seine Arbeitskraft für eine bestimmte Zeit zu verfügen in der
Art, daß die Verfügung unter rechtlichem Zwange steht, und zwar
in einer Weise, welche auch Dritte zu respektiren haben.
Daher sind derartige Verträge nichtig, sie würden nur
dann konvalesziren, wenn das Recht des Dritten, zu dessen Ver-
letzung man gewirkt hat, erlöschen, wenn etwa der Dritte von seinem
Rechte zurücktreten würde.
Eine andere Frage ist es, ob der Verletzte gegen den zur Ver-
letzung mitwirkenden Dritten einen Entschädigungsanspruch beziehungs-
weise ein Recht zur Sache hat: ein solches ist die konsequente Ent-
wickelung des Gedankens, und heilsam für den Verkehr zur
Erhaltung sittlicher Ordnung und friedlicher Abwicklung der Ver-
träge. Damit ergiebt sich von selbst die Begründetheit des jus ad rem:
es ist ein Recht, begründet im aequum jus, begründet darauf, daß,
wer bewußtermaßen daran Theil nimmt, daß ein Gegenstand, auf
welchen Jemand ein vertragsmäßiges, durch Zwang vollziehbares
Recht hat, dem Berechtigten entzogen wird, dafür aufkommen muß.
Und für ein solches aequam jus ist unser Rechtsbewußtsein genügend
entwickelt, auf daß es in sofortige Anwendung gebracht werden
kann; man denke nur an das Anfechtungsrecht, bei welchem es sich
ja nicht einmal um eine spezielle Sachentziehung, sondern um eine
allgemeine Vermögensentziehung handelt. Doch würde uns dies
über unser Thema hinausführen.
Jedenfalls aber ist ein Geschäft, welches auf solche Weise das
Recht des Dritten verletzen soll, unter den Paciszenten nichtig.
Oder wäre es erträglich, daß etwa der Vermiether der Sachen oder
Dienste (nehmen wir diese als höchst persönlich und unvertretbar an)
gezwungen werden könnte, Sachen oder Dienste dem Dritten auszu-
liefern, während ein Anderer ein festes Recht darauf hätte und
gleichfalls für sich exequiren lassen kann? Wie nun, wenn A den
Arbeiter nach Maßgabe des §. 774 zwingen will, während des

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