Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 5 (1891))

Dingliche Rechte.

17

Ist dem wirklich so? Sind wirklich auch die persönlichen Rechte
absolut? Gewiß, sie sind es, weil sie Rechte sind. Es mag sein,
daß diese Seite der Sache, die Absolutheit, beim persönliche Rechte
weniger in die Erscheinung tritt, weil nach der Natur des obliga-
torischen Rechts ein Eingriff Dritter in seine Ausübung seltener
möglich ist; und für die römischen Juristen, die lediglich eine
Jurisprudenz des täglichen Lebens pflegten, war allem Anscheine
nach kein Anlaß vorhanden, diese Seite des persönlichen Rechts in
den Kreis ihrer Betrachtung zu ziehen. Aber unsere Verkehrs-
verhältnisse mit ihren millionenfach potenzirten Rechtskollisionen haben
auch Fälle dieser Art gezeitigt, und das Reichsgericht hat sich bereits
in mehrfachen Entscheidungen damit zu befassen gehabt (Entscheidungen
Band 4 S. 111, Band 12 S. 379). Mit richtigem Takt hat es
lediglich die Existenz des obligatorischen Rechts für genügend ge-
halten, um den Eingriff des Dritten abzuwehren. In verdienst-
licher Weise sind in der Fuchs'schen Schrift S. 102 noch mehr solcher
offensichtlich der Praxis abgelauschter Fälle beigebracht. In allen
diesen Fällen bricht die absolute Natur des obligatorischen Rechts
mit elementarer Mw alt hindurch, sie beweisen schlagender und besser,
als es alle abstrakten Deduktionen könnten, daß die Verletzung des
Gläubigerrechts begrifflich nicht nur vom Schuldner ausgehen kann.
Utld was enthält der §. 72 C.-P.-O. anders, als den Kampf zwischen
zwei Forderungsprätendenten, von denen der nur vermeintlich Be-
rechtigte den wahren Berechtigten an der Realisirung seiner For-
derung hindert?
Die Lehre, die alle diese Erscheinungen enthält, stößt man ge-
waltsam von sich, wenn man angesichts ihrer^) einwendet, daß die
-u tio 6x mutuo sich nur. gegen den Schuldner richtet. Wer wollte
das bestreiten? Aber es beweist das nichts anders, als daß die
Römer eine Klage zur Abwehr fremder Eingriffe bei den Obli-
gationen nicht kannten, weil sich ihnen das praktische Bedürfniß
eine begrenzte Mehrheit verpflichtet sind. Umgekehrt: das Mehr der Ver-
pflichteten ist auf der Seite des persönlichen Rechts anzutreffen. Denn hier
besteht zunächst die Sonderverpflichtung des Schuldners und außerdem die
Nichtstörungspflicht Aller, beim dinglichen Recht nur diese letztere generelle
Pflicht.
4) Vergl. Fuchs S. 102.
Archiv für bürgerliches Recht. V. Band.

2

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer