Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 5 (1891))

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H. Staub.

der Name sagt, in der Beziehung des Menschen zur Sache, kraft
deren er das Schicksal derselben in einer für alle Genossen verbind-
lichen Weise bestimmen darf. An sich kann solche Beziehung auch
durch sittliche oder religiöse Anschauungen gestützt werden, wird sie
aber rechtlich anerkannt, dann wird die vielleicht nur sittliche Be-
fugniß zum dinglichen Recht und muß, weil sie ein Recht ist, nicht
weil sie ein dingliches Recht ist, von allen Rechtsgenossen geachtet
werden: das Recht, das Schicksal der Sache zu bestimmen — die
dingliche Befugniß — ist dann für alle Rechtsgenossen verbindlich —
ein dingliches Recht.
Die Grundlage des persönlichen Rechts ist eine Beziehung von
Person zu Person. Das Bedürfniß zur Herstellung solcher Be-
ziehungen ergiebt sich mit der Entwickelung der Kultur. Die bloße
Beziehung des Menschen zur Sache, die bloße Zutheilung von all-
gemein zu respektirenden Befugnissen über die Dinge der Außen-
welt reicht auf die Dauer nicht aus, um die sich steigernden Bedürf-
nisse der Menschen zu befriedigen. Die Menschen bedürfen noch der
Hülfe ihrer Mitmenschen, theils zur Beschaffung von neuen Be-
friedigungsobjekten, theils zur Leistung von Diensten. Sie decken
das Bedürfniß, indem sie solche Hülfe einander versprechen. An sich
kann ein solches Versprechen gesichert und geheiligt sein durch Sitte
und Religion. Aber indem die Rechtsordnung die so geschaffene
Beziehung als rechtliche anerkennt, wird sie rechtliche Beziehung, die
vielleicht nur sittliche Pflicht wird zur Rechtspflicht erhoben, die von
Allen anerkannt, vom Verpflichteten erfüllt werden muß, außerdem
aber von keinem Dritten gestört werden darf.
Naturgemäß kann der Inhalt der persönlichen Verpflichtung
nur etwas sein, wozu der Verpflichtete nicht schon durch allgemeine
Menschenpflicht verbunden ist, vielleicht dürfen wir kurz sagen: eine
besondere Leistung. In dem Recht auf die besondere Leistung, mag
sie nun in einem Thun oder im Ablassen von einem Thun bestehen,
ist das persönliche Recht enthalten, dem aber gleichzeitig die all-
gemeine Pflicht aller Rechtsgenossen gegenüber steht, den Berech-
tigten in der Verwirklichung seines Rechts nicht zu beeinträchtigen-
Es ist also auch das persönliche Recht absolut. 3)
3) Es ergiebt sich hieraus die Unrichtigkeit der beliebten Antithese, wonach
beim dinglichen Rechte alle Menschen, beim persönlichen Rechte nur einer oder

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