Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 38 (1913))

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Lievegolt.

Es muß daher, falls im Testamente ein Exekutor ernannt,
von diesen: um Probate bei der Prinzipal Registry der Probate
Division in London nachgesucht werden."«)
Liegt Jntestaterbfolge vor, oder ist im Testament ein
Exekutor nicht ernannt, so würde Einleitung der Administration
bei derselben Behörde zu beantragen sein. Wer Anspruch hat

— abgesehen von der Forderung der Lebensversicherungssumme, zu
deren Erlangung Vorlegung der Police genügt (8ektion 19 der kevenue
Act von, Jahre 1889) —, zum Nachweise des Rechts auf Rückforderung
oder Empfangnahme von im „vereinigten Königreich" belegenen Nach-
laßstücken Vorlegung einer Urkunde erforderlich ist, worin ein Gericht
des vereinigten Königreichs die Nachlaßrepräsentanten anerkennt bezw.
bestellt hat. (Vergl. hierzu I n h ü l s e n a. a. O. S. 907.)
Bedenklich ist auch, daß die Frage, welche Person Anspruch hat,
als Administrator bestellt zu werden, in jedem Falle nach englischem
Recht zu beurteilen ist (vergl. dazu I n h ü l s e n a. a. O. S. 911).
Soweit der in Deutschland verstorbene Engländer dagegen auch
in England Mobiliarvermögen hinterläßt, würden die obigen Bedenken
nicht Platz greifen. Denn in diesem Falle würde es zweifellos für
die englischen Gerichte mit Rücksicht auf Sektion 11 der vor-
bezeichneten Uevenue Act des Probate bezw. der „1etter8 ot ad-
ministration" bedürfen. Besondere Weitläufigkeiten würden also durch
die Tatsachen, daß auch die deutschen Gerichte das Gleiche ver-
langten, nicht entstehen. Die Gültigkeit der Form würde nach den
in Anm. 188 S. 381 dies. Ausf. gegebenen Gesichtspunkten zu beurteilen
sein.
Welches Recht bei der Bestellung des Administrator bezw. bei
der Erbverteilung zur Anwendung zu bringen ist, ergibt sich aus dem
vorstehend Gesagten.
19°) Oben wird von der Voraussetzung ausgegangen, daß das
Testament in englischer Sprache und Form errichtet ist.
Kommt dagegen eine in deutscher Form und Sprache errichtete
letztwillige Verfügung in Frage, so würde an sich lediglich (vergl.
auch I n h ü l s e n a. a. O. S. 907 Anm. 1, dessen Ausführungen
sich allerdings auf das Recht vor 1900 beziehen,) der eingesetzte Erbe
zum Exekutor zu bestellen sein, da er ebenso wie der englische Exekutor
Nachlaßrepräsentant sein soll (vergl. BGB. 8 1922). Indes hat sich
bei den englischen Gerichten mit Rücksicht darauf, daß in den von
ihnen allein anerkannten Uebersetzungen der englischen Notare das
deutsche Wort „Testamentsvollstrecker" mit Exekutor übersetzt wird,
die Praxis herausgebildet, auch dem Testamentsvollstrecker das Probate
zu erteilen. Vergl. Jnhülsen l. c. sowie ders. ebenda S. 908.

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