Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 38 (1913))

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Boehmer.

vorgeschlagene Analogie mit der Abnahmepflicht des Käufers
ablehnt, auch beim verzinslichen Darlehn keine Pflicht des
Entleihers bezw. des Darlehnsnehmers besteht, die Leihsache
oder die Darlehnssumme hinzunehmen. Dieser Umstand ist zu
dem Schlüsse verwertet worden, daß die rechtliche Verbindlichkeit
des bloßen 60N86N8U8 bei Leihe und Darlehn zu verneinen sei.
Man argumentiert, daß von einer durch 60N86N8U8 begründeten
Rückgabepflicht höchstens dort die Rede sein könne, wo die
Hinnahme der re8 eine rechtliche Pflicht sei, wie bei Verwahrung
und Werkvertrag; wo dagegen die Hinnahme in dem freien
Belieben des Empfängers stehe, sei es undenkbar, vor der
Annahme der r«8 von einer Verpflichtung zur Rückgabe zu
sprechen; ein solcher Vertrag habe keinen anderen Inhalt als
den: ich verpflichte mich, wenn ich mich verpflichten will. Und
in ähnlichem Sinne ist geltend gemacht worden, daß in jedem
Falle dort Realkontrakte vorlägen, wo die Hingabe der re8
im ausschließlichen Interesse des Empfängers geschehe, also bei
Leihe und unverzinslichem Darlehn; denn hier liege die Hinnahme
völlig in der Hand des Empfängers und sei die Pflicht zur
Rückgabe eine mit der Hinnahme verbundene Beschwerung, —
ein ähnlicher Gedanke also, wie er der Brinz'schen Konstruktion
zu Grunde liegt, der die Rückgabepflicht als eine Auflage,
einer: moäu8 auffaßt, mit dem die ckatio rei beschwert sei. Es
erhellt, daß diese Auffassungen wesentlich auf der falschen
Prämisse beruhen, daß die Hauptverpflichtung dieser Verträge
die Pflicht zur Rückgabe sei, und daß ihnen der Boden entzogen
ist, wenn man erkennt, daß auch die konsensuale Auffassung von
einem Aktuellwerden der Rückgabepflicht erst mit dem Vollzüge
der Hingabe spricht. Immerhin regen sie das Bedenken an,
ob den:: die Hingabe und Hinnahme der Sache als 8olv6ncki
63U3a bewirkt angesehen werden können, wenn bei Leihe und
Darlehn eine Pflicht zur Hinnahme, bei Verwahrung eine Pflicht
zur Hingabe nicht besteht. Dieses Bedenken ist indes leicht
widerleglich. Die Hinnahme des Entleihers bei Leihe und Dar-
lehn und die Hingabe des Hinterlegers bei der Verwahrung
charakterisieren sich als die Mitwirkung, die zur Verwirklichung
des wirtschaftlichen Zweckes der Geschäfte seitens dessen erfor-
derlich ist, der durch jenen wirtschaftlichen Zweck begünstigt wird,

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