Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 17 (1900))

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H. Ortloff.

die Höhe auf das Genaueste?) Es ist mittelbar in dieser Vorschrift
die Eigenthumsbeschränkung für den Nachbar gegeben, daß er von einer
gewissen Höhe an — quindecim pedes a terra altius — den lieber
hang auf Feld- und Gartengrundstücken zu dulden habe. Das Ver-
hältniß der beiden römischen Rechtsmittel nach den einschlagen-
den Stellen zu einander ist nicht überall richtig aufgefaßt worden.
Namentlich ist das Interdikt nicht als aus eine erzwingbare Ent-
sernungsthätigkeit des Besitzers des überhängenden Baumes gerichtet
anzusehen gewesen; sondern die einschlagenden Gesetzesstellen lassen er-
kennen, daß eine Selbst hülfe des durch den Ueberhang belästigten
Nachbarn, wenn er ohne Erfolg den Eigenthümer des Baumes zu
dessen Entfernung oder zur Entfernung des Ueberhanges ausgesordert
hatte, in Folge des Verzuges dieses gestattet sein sollte, und daß in
dem Falle, wenn der Nachbar an der Behauung oder Wegnahme eines
der Grenze zu nahe stehenden Baumes von dessen Eigenthümer ge-
hindert werde, damit nicht daraus eine Gewaltthätigkeit zwischen den
Nachbarn entstehe, mit deren Interdikt die Rechtshülse des Prütors
anzurufen sei. So saßt Arndt's Lehrbuch der Pandekten, 4. Aus!.,
S. 550 den Zweck des Interdiktes auf?) Diese Selbsthülse war
hier nur ausnahmsweise erlaubt, nicht aber, wenn der Baum Wurzeln

0) Vergl. Ehr. A. Hesse a. ct. O. II. § 112. Ein Kappen oder Be-
schneiden der Bäume von einer Höhe von 15 Fuß vom Erdboden ab ist aller
Oekonomie zuwider.
') Auch A. B. Schmidt a. a. O. S. 22 führt richtig aus: „Der Rechts-
schutz, den das römische Recht dem Eigenthümer des Feldes, bezw. des Gebäudes
gegen den Ueberhang des Nachbarbaumes gewährte, bestand in ältester Zeit,
den Regeln des Aktionenprozesses entsprechend, in einer speziellen actio für jeden
der beiden Fälle des Ueberhanges, der actio de arboribus sublucandis und der
actio de arboribus coinquendis. Neben dieselben tritt im prätorischen Edikte
das iuterdictuiu de arboribus caedendis, welches den Nachbar, der die Be-
seitigung der überhängenden Zweige in gesetzlich vorgeschriebener Höhe, bezw.
die des ganzen Baumes selbst vornahm, gegen den widerstrebenden Baumeigen-
thümer schützen sollte. Voraussetzung des genannten Interdikts ist nach der
gegenwärtig allgemein angenommenen Ansicht nur, daß der Nachbar an den
Baumeigenthümer vergeblich die Aufforderung gerichtet hat, seinen Bamn in
dem gesetzlich normirten Umfange ;it beschränken." Richtig ist auch, daß hierzu
eine formlose Mahnung (nunciatio) genügt; auch setzt die Anwendung einer
gerechten Selbsthülfe nicht etwa ein vorhandenes rechtskräftiges Urtheil voraus,
das in Folge einer Negatorienklage ergangen wäre.

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