Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 17 (1900))

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Brettner.

Vollstrecker nicht zu, da er ein höchst persönliches Recht des Erben ist.
Aus demselben Grunde ist der Vollstrecker nicht in der Lage, die An-
fechtungsklage wegen Erbunwürdigkeit anzustrengen (2341).
Handelt es sich aber um Nachlaßverbindlichkeiten, um die Partei-
rolle des Beklagten, so kann Kläger sowohl gegen den Vollstrecker U'ie
gegen den Erben Vorgehen, folgeweise auch beide entweder gleichzeitig,
was die Regel bilden wird, oder hintereinander in Anspruch nehmen.
Beim Vorgehen gegen nur Einen wird Kläger gegen den Vollstrecker
klagen, wenn ihm der Nachlaß, gegen den Erben, wenn ihm dessen
persönliche Haftung für seine Befriedigung genügt. Auch andere Um-
stände werden bei der Wahl bestimmend sein, z. B. das Vorhandensein
einer großen Anzahl von Erben, der Besitz im Falle der Vindikation.
An dein Rechtsstreit des thatsüchlich Belangten kann sich der andere
— der Erbe bezw. der Vollstrecker — im Wege der Nebenintervention
betheiligen. Das rechtliche Interesse des Erben begründet der Umstand,
daß das zwischen dem Kläger und dem Vollstrecker ergehende Nrtheil
für und gegen den Erben wirkt (327- C.P.O.), allerdings mit der
Einschränkung, daß er bei der Zwangsvollstreckung noch sein Recht als
Vorbehaltserbe Vorbringen kann (7802 C.P.O.). Und das erforder-
liche Interesse des Vollstreckers ist darin zu finden, daß ihn die Ent-
scheidung über die Nachlaßverbindlichkeit zwar nicht unmittelbar, so
doch mittelbar angeht, daß er kraft seines Aintes für die Erfüllung
der Nachlaßverbindlichkeit zu sorgen hat und daß er mitverklagt werden
konnte, also Mitverpflichteter ist. Wenn die Motive (V S. 240) sein
Jnterventionsrecht in Abrede stellen, weil der Vollstrecker nur ein
ideales Interesse an dem Prozesse habe, und weil er die Partei außer-
gerichtlich unterstützen könne, so ist der erste Grund, wie gezeigt wurde,
nicht richtig, der zweite aber nicht entscheidend, da der Grund bei
jeder Intervention zutreffen würde.
Ansprüche, welche das Erbschaftsrecht, das Einwerfungsrecht oder
das Pflichttheilsrecht zum Gegenstände haben, gehen den Vollstrecker
nichts an, und sind deshalb allein zwischen den Betheiligten bezw.
zwischen den Miterben auszutragen. Kläger hat in diesen Fällen kein
Wahlrecht, er muß den Erben verklagen. Ausdrücklich hervvrgehoben
ist dies freilich nur bezüglich des PflichttbeilsanspruchS <2213' letzter
Satz). Es gilt dasselbe aber ebenso in den beiden anderen Fällen.
Für ben Erbschaftsanspruch, weil der Vollstrecker nicht Erbschafts

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