Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 35 (1910))

412 George Happek.
Vertragsschluß niemals erfolgt wäre. Es ist letzteres lediglich
eine Fiktion").
Anders hingegen ist die Wirkung beim Erlaßvertrag. Ver-
möge der Fiktion vollständiger Erfüllung tilgte die acceptilatio
die Schuld und beseitigte die Forderung; die Verpflichtungstatsache
indessen blieb bestehen, der Vertrag blieb immer gültig. Erst von
der Aufhebung des Rechtsverhältnisses ab (ex nunc) erlosch die
Schuld. Der Bestand des gültig abgeschlossenen Rechtsgeschäfts
wird nicht beseitigt"). Die Tatsache des Erlöschens wirkt nur für
die Zukunft. Daß schon bei der alten acceptilatio diese Wirkung
eintrat, daß also nur die Schuld, nicht der Vertrag aufgehoben
wurde, ist m. E. unbedenklich anzunehmen. Zwar erkennt
v. S ch e u r l") aus der imaginaria solutio, worin die accepti-
latio besteht, eine völlige Zerstörung der Obligation, indem er im
Anschluß an 1. 19 1). 45, 2 für die Korrealschuld darauf hinweist,
daß der Erlaßvertrag mit einen: Schuldner auch die übrigen
befreie. Indessen ist Demelius") auch darin zuzustimmen,
daß hierdurch doch tatsächlich nur Beseitigung der Schuld, nicht
des ganzen Vertrages durch Willensübereinstimmung herbei-
geführt wird. Denn um die Beseitigung des Vertrags herbei-
zuführen, müßte nach dem Grundsätze der 1. 80 D. 46, 3 die
acceptilatio mit jedem Schuldner vorgenommen werden.
Hiernach läßt sich die wesentliche Verschiedenheit zwischen
contrarius consensus und Erlaßvertrag in wenigen Worten
dahin kennzeichnen: Der contrarius consensus wirkt auf den
Anfang der Obligation, der Erlaß auf das Ende, m. a. W. der
contrarius consensus wirkt ex tune und mittelbar, d. h. die Auf-
hebung des Rechtsverhältnisses kann erst durch Beseitigung einer
anderen juristischen Tatsache erreicht werden, der Erlaß wirkt
ex nunc und unmittelbar, d. h. der auf das Nichtbestehen des
Rechtsverhältnisses gerichtete Wille beseitigt dieses direkt") oder,
41) Stern S. 20.
*2) Demelius S. 7, vgl. auch S. 39 und 63; Stern S. 16.
") S. 27; so wohl auch S i nte n i s S. 481, 482.
M) S. 14.
") Demelius S. 6 und 7; Stern S. 18; L e i st S. 20;
Hartmann S. 19: Auch im Justinianeischen Recht waren acceptilatio

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