Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 35 (1910))

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Artur Schöny.

die Parteien ein solches Geschäft nicht wollen könnten, wird nicht
leicht gefunden werden. Der Wille hat seinen Grund in dem Be-
dürfnis und dem Erkennen, daß durch eine Kette von Erfolgen
das Bedürfnis befriedigt werde, was steht da im Wege, daß die
Parteien die wirtschaftlichen Erfolge eines Treuhandgeschäftes
wollen? Wer für ein einzelnes Treuhandgeschäft aber behauptet,
es sei ein Scheingeschäft, der muß den Willensmangel der Parteien
dartun.
8 11.
3. Das Wesen der Treuhänderrechte.
. Bei der Erörterung der einzelnen Rechtszuwendungen wurde
schon die in dieser Arbeit vertretene Ansicht angedeutet, daß die
Rechte des Treuhänders sich in keiner Weise von den entsprechen-
den Rechten eines anderen Rechtsträgers unterscheiden. Es soll
jedoch angesichts der in Literatur und Praxis bestehenden
Meinungsverschiedenheiten auf diese Frage besonders eingegangen
werden.
Es gibt zwei Lehrmernungen, die von der hier vertretenen
Ansicht abweichen. Nach der ersten erhält der Treuhänder über-
haupt kein Recht, da sie das Treuhandgeschäft für simuliert er-
klärt. Sie kann fortan außer Betracht bleiben, da sie bereits im
vorigen erörtert wurde. — Nach der zweiten Lehre erhält der
Treuhänder zwar Rechte, die jedoch als Treuhänderrechte be-
sonderer Natur sind, z. B. der Treuhänder wird zwar Eigentümer,
er hat jedoch nicht die volle rechtliche Stellung eines Eigentümers.
Diese Ansicht beruht auf einer unzulässigen Berücksichtigung der
wirtschaftlichen Lage beim Treuhandgeschäft. Sie geht von dem
Gedanken aus, daß in den meisten Fällen die dem Treuhänder
zugewendete Rechtsmacht in das Vermögen des Treugebers zurück-
kehren soll. Da sich nun der juristische Begriff des Vermögens
mit dem wirtschaftlichen nicht deckt, so kann man die Rechtsmacht
des Treuhänders als noch zum wirtschaftlichen Vermögen des
Treugebers gehörig betrachten, eben um jenes demnächstigen
Rückfalles willen. Der Treugeber hat eine Anwartschaft auf das
Vermögen, die im Verkehr seinen Kredit hebt und die ihm dereinst
über kurz oder lang das dem Treuhänder zur Verwaltung über-

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