Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 23 (1904))

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Arthur Brückmann.

lich, wie absolut unmöglich und unzulässig es ist, derartige Argumente
irgendwie und irgendwo bei unseren Fragen zu verwerten. Dann er-
giebt sich nämlich: daß nicht ein einziges Kriterium von denjenigen,
welche die herrschende Ansicht oder die herrschenden Ansichten als Essen-
tialia des „Verlust"begriffes aufstellen, durch den allgemeinen termino-
logischen Zusammenhang bestätigt wird, daß vor allein auch die „Besitz"-
schranke zusammenfällt, und daß man nicht nur recht daran tut, sondern
gar nicht anders kann, als den Begriff aus sich zu interpretieren. Wo
aber dann der richtige Weg geht, — das scheint mir ganz außer
Zweifel, — und (was sehr wichtig) — hierfür gewährt der termino-
logische Zusammenhang durch seine negative Beschaffenheit eine starke
positive Bestätigung. Darüber jetzt ein kurzes Wort.
II. Daraus natürlich, daß das Bürgerliche Gesetzbuch die Ausdrücke
„Verlieren" und „Verlust" in mannigfachen Zusammenhängen gebraucht,
läßt sich in keiner Weise etwas in meinem oder gegnerischem Sinne
gewinnen. Rechtsfähigkeit, Rechte, Ansprüche, Einreden, Spiele, die
elterliche Gewalt, Befugnisse aller Art gehen nach dem Bürgerlichen
Gesetzbuche „verloren", Aufgebote „verlieren" ihre Kraft, Gesellschaften
erleiden „Verluste", durch „Verluste" vermindern sich Einlagen, —
alles dies ist unerheblich und kann in unserer Sache nicht verwertet
werden: weil wir es lediglich mit den „verlorenen Sachen" zu tun
haben und sich somit der Kreis der Argumente und Analogien in
eklatantester Weise von selbst verengert.
III. Aber schon wesentlich mehr will es bedeuten, daß bei einer
schärferen Betrachtung der 88 935, 1006 und 1007 und der in ihnen
gleichförmig verwandten Nebeneinanderstellung der gestohlenen, ver-
lorenen und abhanden gekommenen Gegenstände sich sehr deutlich
ergibt, daß dem Gesetzgeber bei der Forinulierung, also folglich wohl
auch bei der Begriffsbildung, nichts ferner gelegen haben muß,
als der Gedanke an die Besitzschranke. Daß zunächst jene extreme
Richtung, die verlangt, daß die Sache, um verloren zu sein, auch in
keines anderen Besitz gelangt sein dürfe, mit den gedachten Be-
stimmungen in einen schweren Konflikt geraten muß, ist selbstverständlich.
Denn der Veräußerer, der die Sache dem Erwerbsbereiten übergibt,
ist ja gerade im Besitz, und es handelt sich ja gerade um den Besitz
der Sache, — also mußte sie vorher in eines anderen Besitz gelangt sein
und wäre demnach keine verlorene/? Demnach wäre der Begriff und der

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