Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 26 (1905))

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Alexander Elster.

3. Die Zusammenfassung der einzelnen Spielverträge unter
diesem Begriff.
Wer ein Lotterielos kauft, der kauft nicht dieses Stück Papier,
weil er dessen bedarf oder es zu seinem Vergnügen braucht, der wünscht
sich vielmehr einen Vermögensvorteil auf Grund eines Umwegvertrages,
der ihm in nicht wirtschaftsernster Form Gewinnchancen bietet. Das
Äquivalent als solches, welches mit dem rechnerischen Wahrscheinlich-
keitswert des Loses zuzüglich des üblichen Unternehmergewinnes im
Einklang steht, würde hier gar kein Kriterium abgeben. Was ganz
allein begriffsbestimmend wirkt, ist der Inhalt dieses Umwegvertrages,
der statt Konjunktur und berechtigten Kampfes ums Dasein sich in die
Welt des Zufalls begibt, und durch Menschensatzung den Ernst der
Wirtschaft zu übertölpeln, den endlichen wahren Wirtschaftszweck des
Gewinnes auf jenem unwirtschaftlichen Umweg zu erreichen trachtet.
Ein großer rechtsformaler und rechtsmaterieller Unterschied liegt
hier vor gegenüber dem Kauf einer seltenen Briefmarke, wo der Käufer
sein Kaufobjekt, so wie es da ist und wirtschaftlich wahr ist, gegen
ein auf Grund von Angebot und Nachfrage rechtmäßig gebildetes
Äquivalent in direkter Befriedigung seines Endzweckes ersteht. Davon
werden wir unten noch einmal zu sprechen haben.
Was die Wette anlangt, die ja jetzt unter der Herrschaft des
B.G.B. weniger in ihrem Gegensatz zum Spiel im engeren Sinne als
in ihrer Zugehörigkeit zum Genus des Spielvertrags erfaßt zu werden
verdient, so wird dieselbe auch schon fast durchweg richtig skizziert als
derjenige Spielvertrag, bei dem ein Widerstreit ernster Überzeugungen
vorliegt. Wenn man den Spielvertrag so gekennzeichnet hat, wie wir
es im vorigen Abschnitt tun mußten, so lösen sich die Streitfragen der
begrifflichen Stellung der Wette ganz einfach und leicht. Ihr liegt im
Gegensatz zum Spiel i. e. S. ein lebensernstliches Motiv zu Grunde,
das aber an sich ebensowenig wirtschaftsernstliche Folgen haben könnte
wie das Spiel. Es fehlt ja auch hier jedes ökonomische Gesetz, welches
von solcher Meinungsverschiedenheit wirtschaftliche Folgen abhängig
macht, sondern hier wallet jene eigenmächtige Kausalsatzung wie beim
Spiel. Wette ist also nur eine andere Form für die Äußerung des
Wesens, das im Genus Spielvertrag liegt.
Fragen wir hier gleich, ob es nicht noch andere Formen des
Spielvertrags gäbe, die der Wette nahe verwandt sich anders äußern,

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