Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 26 (1905))

Handelsrechtliche Rundschau. 207
scheint also die von Rieß er so sehr gelobte beratende Tätigkeit des Ausstchts-
rnl3 in etwas anderem Lichte!) Die Reform des Aufsichtsrats soll durch
Verteilung seiner Aufgaben unter die einzelnen Mitglieder, Kontrolle dieser
uneberiim durch die übrigen und erhöhte Haftung herbeigeführt werden. Unter-
stützung soll den Mitgliedern in ihrer Tätigkeit hier durch technisch ausgebildete,
von der Generalversammlung zwecks Revision zu wählende Kontrolleure zu teil
werden, die den Aufsichtsratsmitgliedern die Grundlage lind Fingerzeige für ihre
Tätigkeit zu geben hätten. Stellung und Einfluß der einzelnen Aktionäre will
Klein durch weitgehende Kritik- unb Kontrollrechte stärken, namentlich der
Minderheit unter Umständeir einen Ersatzanspruch nicht mir gegen Organe und
Gründer der Aktiengesellschaften, sondern auch gegen die Aktionärenmehrheit
z,«gestehen (S. 44 ff.), und die Schwerfälligkeit, mit der bislang die Durchführung
der Minderheitsrechte belastet ist, zum Teil wenigstens beseitigen (S. 47).
Schließlich erkennt Klein die Wünsche hinsichtlich einer Offenlegung der
Geschäftsführung unb der Art ihrer Einrichtung (S. 48) in gewissen, insbesondere
aus Konkurrenzrücksichten gebotenen Grenzen, als zur Besserung der Verhältnisse
wohl geeignet an. Die geistvollen, von völliger Beherrschung der einschlägigen
Verhältnisse getragenen Ausführungen werden nicht verfehlen, bei allen sich für
das Aktienrecht und seine Fortbildung interessierenden Stellen nachhaltigen
Einfluß auszuüben.
Auf breiter historischer wie rechtsvergleichender Grundlage bietet uns
Lehmanns eine ausgezeichnete Darstellung des Aktiengesellschaftsrechtes, zu der
er sich durch seine bedeutsamen Untersuchungen über die geschichtliche Entwicklung
des Aktienrechtes bis zum Code de commerce und eine Reihe anderer aktien-
rechtlicher Schriften sowohl in historischer wie dogmatischer Beziehung als die
berufene Persönlichkeit legitimiert hatte.
Das Werk zerfällt in zwei Bücher, von denen das erste (Bd. I 6. 1 bis
132) Geschichte und Quellen des Aktienrechtes, das andere (Bd. I S. 432—487
und Bd. H) die Darstellung des geltenden Rechtes behandelt. Gute Register
zu beiden Bänden ermöglichen eine rasche und zuverlässige Orientierung. Obwohl
nur eine Darlegung der großen Gesichtspunkte bezweckt, dagegen liebevolle Be-
handlung von Einzelheiten nicht beabsichtigt war, so ist doch, wenn auch nur
in großen Zügen, zu fast allen in Betracht kommenden Streitfragen Stellung
genommen. Von selbst ergibt sich infolge dieser Umgrenzung der Aufgabe eine
sparsame Zitierung der Judikatur, wobei tnbeffen vielleicht einzelne wichtige
Entscheidungen des Reichsgerichts, die seit Erscheinen des I. Bandes ergingen,
im II. Bande hätten nachgetragen werden können. Aus diesen Gründen wird
dem Zwecke des Buches entsprechend nicht zu Lehmanns Werk greifen dürfen,
wer nur eine rasche und erschöpfende Orientierung über Einzelfragen, ihre
Regelung im positiven Rechte und den derzeitigen Stand der Rechtsprechung

°) Prof. vr. Karl Lehmann, Das Recht der Aktiengesellschaften. Berlin,
Carl Heymanns Verlag. Bd. I (493 S. Preis M. 40) 1898; Bd. II (659 S.
Preis M. 12) 1904.

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