Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 26 (1905))

Einigung im Sachenrecht.

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Werbers. Andererseits ist der Eigentumserwerb hier zweifellos derivativ."
Nun, wenn das richtig wäre, daß weder Satz 1 noch Satz 2 des § 929
Platz greift noch endlich Okkupation vorliegt, so wäre die notwendige
Folge: nach dem B.G.B. hat der Vorübergehende das Eigentum an
der Banknote nicht erworben. Aber jene Annahme ist nicht richtig.
Das angeführte Beispiel stellt nur einen in ähnlicher Weise sich durchaus
nicht selten vollziehenden Fall des § 929* dar. Manigk faßt den
Begriff „Übergabe" viel zu eng. Eine streng körperliche Übergabe-
handlung, eine Übergabe der Banknote von Hand zu Hand nimmt
der Eigentümer zwar nicht vor; aber der Vorübergehende erwirbt den
Besitz an der Banknote mit Zustimmung des bisherigen Eigentümers,
und insofern liegt doch eine Handlung des Eigentümers vor. Der
Eigentümer hat den Willen, dem Vorübergehenden den Besitz an der
Banknote einzuräumen, durch seinen Zuruf: „Ich schenke dir die Bank-
note," unter den obwaltenden Umständen genügend dem Vorüber-
gehenden kundgetan, und dieser ergreift jetzt in Übereinstimmung mit
dem Besitzaufgabewillen des Eigentümers den Besitz an der Banknote.
Zum Besitzerwerbe ist es nicht einmal nötig, daß der Vorübergehende
die Banknote aufhebt, sondern es genügt, daß er sich irgendwie damit
einverstanden erklärt, daß der Besitz an der Banknote auf ihn übergeht,
da ja der tatsächlichen Ausübung des Besitzes an der Banknote kein
Hindernis entgegensteht (§ 8542). Nicht eine förmliche Übergabe der
Sache wird vom Gesetze gefordert, sondern — und dies ergibt sich in
der Tat aus § 9292 — der Erwerb des Besitzes durch den Erwerber
der Sache, aber nicht auf irgend eine beliebige Art und Weise — das
hieße den Zufall über den Eigentumsübergang entscheiden lassen —,
sondern mittels Übertragung von seiten des Eigentümers der Sache. —
Die juristische Konstruktion der Besitzübertragung des § 929* ist, soweit
sie von den Schriftstellern überhaupt berührt wird, bestritten. Die
unseres Erachtens richtige Ansicht wird vertreten von Cosack^) und
Fischer?») Sie geht dahin: die Besitzübertragung des § 929* ist
ein Vertrag. Die Begründung dieser Auffassung führt uns zu einer
Erörterung des § 8542.
§ 8542 enthält einen zusammengesetzten Tatbestand. Ein sich nach
ihm vollziehender Besitzerwerb setzt voraus: 1. die Einigung des bis-
A. a. O. Bd. 1 S. 116.
") Fischer-Henle, B.G.B. 8 929, Anm. 4, 8 854 Anm. 8 und 10.

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