Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 26 (1905))

Einigung im Sachenrecht. 159
wände zu begegnen, versucht man eine Vorwirkung zu konstruieren,
welche die Kluft zwischen dem Rechtsgeschäft und der endlichen Wirkung
überbrücken soll. Diese Vorwirkung wird bald in der rechtlichen Ge-
bundenheit von Personen oder Sachen, bald in einem besonderen Zwischen-
recht gefunden. Als Beispiel möge wieder das Testament dienen.
Jeine Rechtswirkung tritt nicht schon mit dem Errichtungsakt, sondern
erst mit dem Tode des Testators ein. Karlowa") nimmt hier wie
iu anderen Fällen in der Zwischenzeit eine rechtliche Gebundenheit an.
Die „Gebundenheit" des Testators soll in einer Norm, vermöge deren
beim Tode des Testators die Erbfolge eröffnet wird, bestehen. Nach
Zimm ermann^) sM mit der gehörigen Errichtung des Testaments
ebenfalls eine sofortige rechtliche Wirkung entstehen, nämlich die 8pes
auf die endliche Wirkung des Rechtsgeschäftes. Ähnlich Bruns.44)
Nach ihm soll der Testator mit der geeigneten Errichtung des Testa-
ments das Recht bekommen, daß mit seinem Tode die eigentliche
Wirkung eintritt, ohne daß ein neuer Willensakt nötig ist. Das „Recht",
das hiernach der Testator bei Errichtung des Testaments erhalten soll,
ist zu eigenartig, als daß eine solche Konstruktion befriedigen könnte.
Gegen wen soll sich dieses „Recht" richten? Nicht anders steht es
mit der Gebundenheit. Diese Gebundenheit, welche Karlowa und
mit ihm viele andere in den Fällen, in welchen die beabsichtigte Rechts-
ivirkung erst in dem Zeitpunkte eintritt, wo der Wille schon faktisch
aufgehört hat zu existieren, bald als eine Gebundenheit der Personen,
bald als eine Gebundenheit von Sachen hinstellen, ist ein ganz un-
faßbares, in den verschiedensten Gestaltungen vorkommendes Ding.")
Denn sie ist bald obligatorisch, bald dinglich, bald keins von beiden;
bald entspricht ihr ein Recht einer Person, bald nicht, bald ist die
Aufhebung der Gebundenheit zulässig, bald nicht.") Die Gebunden-
heit ist ein Name, der unter sich völlig verschiedene Einzelerscheinungen
bezeichnet und darum nichtssagend.
Der Annahme einer solchen „Gebundenheit" bedarf es in jenen
Fällen auch gar nicht. Sie annehmen zu müssen, ist eine selbst geschaffene
") A. a. O. S. 7.
") A. a. O. S. 142.
") A. a. O. S. 457.
") Enneccerus a. a. O. S. 165.
") Enneccerus ebenda.

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