Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 10 (1895))

Entäußerung und zukünftiger Rechtserwerb. 77
die folgen bis 1311, sind erfüllt von inneren Zwistigkeiten zwischen den
herrschenden Schöffen- und Rathmannengeschlechtern und den gemeinen
Bürgern, die trotz ihrer großen Zahl und ihres wachsenden Wohl-
stands am Stadtregiment nur geringen Antheil haben. Die Ver-
muthung liegt nah, daß unter solchen Umständen Graf Otto der
Stadt seinen Willen aufgezwungen und die Leistung des Zolles durch-
gesetzt hat. Sobald aber nach 1311 wieder geordnete Zustände ein-
traten, wird der Widerstand abermals an Kraft und Nachhaltigkeit
zugenommen haben. Das Machtverhältniß zwischen beiden Theilen
fängt in Folge dessen an, sich zu verschieben. Jedenfalls die Rechts-
frage galt jetzt für eine offene, und in der Praxis trug man durch-
aus keine Bedenken, aus dieser Sachlage die entsprechenden Folgerungen
zu ziehen: Es scheint sogar fast die Regel gewesen zu sein, daß man
den Zoll in Büderich, sei es nun mit Gewalt, sei es mit List,
umging.
Diesen Stand der Dinge veranschaulicht ein Privileg Dietrichs IX.
vom Jahre 1329. Darin verleiht der Graf der Stadt alle möglichen
Gerechtsame, zum Schluß aber heißt es: Preterea illis de Wesele
dimittimus per presentes omnes et singulos excessus, si qui
sunt, usque in diem date praesentium perpetratos.32) Kein
Zweifel, der Satz kann sich nur aus den Büdericher Zoll beziehen
und auf die Weigerung der Weseler Kaufleute, ihn zu entrichten.
Und auch über die Praxis, die in Zukunft zu befolgen sei, schweigt
sich die Urkunde aus: offenbar blieb es also bei dem bisherigen un-
geregelten Rechtszustand der excessus si qui sunt.
Unter solchen Umständen wurde schon wenige Jahre später eine
neue Abkunft nothwendig. Sie erfolgt in einem Vertrage, der am
21. Februar 1332 abgeschlossen wird.33) Diesmal sind längere Ver-
handlungen vorausgegangen und ihr Ergebniß scheint es gewesen zu
sein, daß man thatsächlich die Verpflichtung der Stadt zur Leistung
des Zolles im Prinzip anerkannte.34) Dagegen verzeiht der Graf
82) Frensdorfs, Dortmunder Statuten und Urtheile S. 265.
3S) Orig. Perg. im St. zu D., Stadt Wesel Nr. 28.
3^) Nos Theodoricus comes Olivensis . . . notum facimus, quod mediante
conpositione pronunciata inter nos ex una parte et dilectos nostros opidanos
Weselenses ex altera, dimisimus eisdem nostris opidanis omnes culpas, quas
ipsi usque in diem date presentium litterarum erga nos habuerunt.

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