Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

95.

Zwei Dissertationen widmen sich Problemen aus dem Rechte der un-
erlaubten Handlungen, von Berghoff und Schaufuß.00) Beide vertheidigen
mit Recht das der heute ganz überwiegenden Lehre entsprechende Ergebniß, daß
die Forderungsrechte nicht nach 8 823* 1 geschützt seien. Unter ihnen ist die
Arbeit von Schaufuß die umfassendere und selbständigere; sie hat mich in ihrer
spekulativ-konstruktiven Beweisführung doppelt interessirt, als dadurch über die
landläufige Paragraphenjurisprudenz höchst erfreulich hinausgehend. Als Prinzip
sormulirt der Verfasser (S. 31), daß die Verletzung eines subjektiven Privatrechts
dann gegeben sei, wenn „sich eine menschliche Körperbewegung Nachweisen läßt,
die einen solchen Erfolg herbeigeführt hat, daß die ganze Kausalreihe ihrer
äußeren Erscheinung nach die Verletzung eines der in dem subjektiven Rechte
niedergelegten Befehlssätze darstellt". S. ferner S. 56 über die Verletzung des
Eigenthums, S. 59 über die Statthaftigkeit der Unterlassungsklage auch wegen
Besitzesvernichtung. Endlich entwickelt Verfasser die bereits oben mitgetheilte
Schlußthese: die Verletzung der Obligation durch Dritte ist Güterverletzung,
nicht aber auch mangels eines besonderen darauf abzielenden Satzes Rechts-
verletzung, S. 101—103.

k) Sachenrecht.
Eine gedankenvolle und lobenswerthe Erstlingsarbeit verdanken wir der
Feder von Bruck.0*) Er entwickelt in beifallswerther, scharfsinniger Weise das
Verhältniß der dinglichen, „Einigung" und des obligatorischen Kausalgeschäfts
und thut gegenüber Endemann überzeugend dar, daß nur aus dem kausalen
Geschäfte die klagbare Verpflichtung aus Vollzug des dinglichen Rechtsgeschäfts
entsteht, niemals aus der Einigung selbst, S. 11. Aber die Einigung soll über-
haupt kein Vertrag sein (?), weil sie sich zwar aus zwei Willenserklärungen zu-
sammensetzt, ihr aber „jede selbständige, rechtlich relevante Wirkung fehlt", S. 40.
Sie ist vielmehr der Typus eines neuen Rechtsbegrifss, S. 14, 15. Mit der
Eintragung zusammen stellt sie die Erfordernisse eines einheitlich gedachten Rechts-
aktes dar, jede von beiden ist nur ein Element desselben. „Dieser Rechtsakt
gehört wieder zu einem Vorgang, dessen erster Theil das obligatorische Geschäft
bildet". Aehnlich soll auch (S. 17) die juristische Konstruktion des Eigenthums-
erwerbsakts bei Mobilien nach B.G.B. 8 929 sein. Man soll ferner nicht, um
den Vertragscharakter zu retten, Eintragung bezw. Uebergabe als bloße con-
diciones iuris bezeichnen dürfen (?); sie sind auch nicht ihrerseits selbständige
Verträge. Trotzdem ist nach Bruck ein großer Theil der Regeln über die
00) Res. W. Berghoff, Wer ist Gläubiger bei Schadensersatzforderungen
wegen Entziehung oder Beschädigung einer Sache? Rostocker Dissertation von
1901. Wyk a. Föhr, E. A. Krüger 1901. 45 S. — Ref. W. Schaufuß, Die
Verletzung des Eigenthums oder eines sonstigen Privatrechts eines Anderen im
8 823 B.G.B. Bonner Dissertation von 1899. Cöln, Hoster 1899. 103 S.
01) Dr. iur. E. Bruck, Die Einigung im Sachenrecht des B.G.B. Berlin,
O. Liebmann 1900. 75 S. Pr. M- 1,50.

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