Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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, Paul Oertmann.

sondern der Aussteller schafft durch den einseitigen Kreationsakt ein Medium,
welches in der Hand des jeweils Berechtigten ein Forderungsrecht entsprechenden
Inhalts zum Entstehen kommen läßt.
Beifallswerther als diese, immerhin als scharfsinnig anzuerkennende, Grund-
auffassung scheinen mir die meisten anderen Ergebnisse des Verfassers. So
seine, im Anschluß an Brunner vollzogene, Abgrenzung des Begriffs der
Werthpapiere: man versteht darunter solche Papiere, deren Besitz zur Verwerthung
des verbrieften Rechtes nothwendig ist, S. 28. Nicht dazu zählen Reichskassen-
scheine und deutsche Banknoten: denn sie stellen, weil einen vom Nennbetrag
abweichenden Kurs nicht kennend, Geld dar, S. 27.
Was speziell die Jnhaberpapiere anlangt, so ist daraus berechtigt
nur der Eigenthümer. Aber der (auch unmittelbare) Besitzer ist dem Schuldner
gegenüber als Eigenthümer, also auch als Gläubiger, legitimirt, S. 40. Gleich-
falls nur eine Vertreterschaft des Gläubigers soll nach Jacobi entgegen der
herrschenden Lehre das Vollindossament zu Jnkassozwecken begründen, nicht ein
fiduziarisches Eigenthum, S. 48, 56 — eine These, die Verfasser m- E. erwiesen
haben dürfte.
Jedoch befreit sich der Schuldner nicht durch Leistung an den Inhaber,
wenn er weiß und sofort beweisen kann, daß dieser nicht berechtigt ist, S. 66—68.
Gute Bemerkungen finden sich auch über die theoretische Begründung der
Amortisation, S. 111; über die Gründe, weswegen die Werthpapiere Einlösungs-
papiere sind, S. 123; über die gegen den dritten Erwerber des Papiers statt-
haften Einreden und das dabei obwaltende Prinzip, S. 223, sowie über zahl-
lose andere mehr oder minder wichtige Einzelfragen mehr. So ist das Buch
überall eine Quelle reicher Förderung und Belehrung.
Aus der Lehre von der ungerechtfertigten Bereicherung liegt mir
eine vortreffliche Abhandlung von Stieve^9) vor, die leider erst verspätet hier
zur Anzeige gelangt. Daß sie die Materie ernstlich fördert, habe ich bereits an
anderer Stelle — in meinem Kommentar zum Recht der Schuldverhältnisse —
durch wiederholte anerkennende Bezugnahme zum Ausdrucke gebracht; ich spreche
es aber gern auch hier in aller Form aus. Aus den Einzelpunkten seien nur
erwähnt, als besonders eindrucksvoll, die Erörterungen über den Werth des
Besitzes als Gegenstands der condictio, S. 67; hier wird mit Recht auf die
Eigenthumsvermuthung aus § 1006 als für die Abschätzung des Besitzwerths
verwendbar hingewiesen. Nur, wenn der Besitzer nachweisbar nicht Eigenthümer
war, ist eine selbständige Schätzung des Besitzes nothwendig, S. 70. Werthvoll
sind ferner u. A. die Erörterungen über die Bedeutung der Worte des § 818:
„was der Empfänger auf Grund eines erlangten Rechtes erwirbt", S. 77 ff.
Nur der Satz S. 81: „nicht herauszugeben sind diejenigen Vortheile, welche der
Empfänger in Folge einer besonders günstigen Verwerthung der erlangtem Sache
erzielt hat", dürfte als bedenklich zu bezeichnen sein.
69) Dr. A. Stieve, Der Gegenstand des Bereicherungsanspruchs nach
dem B.G.B. Straßburg, Trübner 1899. 118 S. Pr. M. 2,50.

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