Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

HO

Paul Oertmann.

von Rechtsgeschäften, aber auch in einer zu entfaltenden Thätigkeit thatsächlichen
Charakters, „sofern der Auftraggeber bezw. Besteller an ihr ein unmittelbares
Vermögensinteresse hat; endlich aber auch schon dann, wenn die Thätigkeit vom
Beauftragten in Ausübung eines auf Votnahme von Handlungen solcher Art
gerichteten Berufs vorgenommen wird".
Aus die Einzelheiten kann ich hier nicht weiter eingehen, hinzuweisen ist
nur noch auf die interessante und zutreffende Feststellung S. 29, wonach der
Eigenthumserwerb des Spezifikanten trotz der „scheinbar bedingungslosen" Regel
des Z 950 sich dann nicht vollzieht, wenn derselbe zu seiner Thätigkeit dem
Stoffeigenthümer gegenüber vertragsmäßig verpflichtet ist.
Jsay's „Geschäftsführung"5a) ist ein außerordentlich klärendes und ge-
dankenreiches Buch, allerdings nicht immer zweifelsfrei in den Ergebnissen. Es
beruht auf der Grundidee, daß der Begriff der Geschäftsführung auf eine
breitere Basis gestellt werden müsse; dahin gehören nicht nur die sogenannte
negotiorum gestio im engeren Sinne, sondern auch die Geschäftsführung des
Mandatars, des Vormunds u. s. w., S. 3. Das Mandat insbesondere ist ein
selbständiger Begriff nur bis zur Ausführung, dagegen alle weiteren Wirkungen
sind nicht solche des Auftragsvertrags, sondern „desjenigen Thatbestands, der
-seinerseits die Erfüllung der aus dem Auftragsverhältniß entsprungenen
Leistungspflicht bildete, nämlich der Geschäftsbesorgung als solcher", S. 20, 23.
Der Auftrag verpflichtet also nur den Mandatar; Pflichten des Auftraggebers
können nur in seiner Eigenschaft als Geschäftsherr entstehen, S. 42.
Die Geschäftsführung setzt voraus ein ftemdes Geschäft. Die Frage, was
darunter zu verstehen sei, beantwortet Jsay ausführlich S. 43ff. Werthvoll
und überzeugend sind die Ausführungen über den Unterschied zwischen dem ob-
jektiv und dem subjektiv fremden Geschäfte, S. 65. Die Kriterien des ersteren
liegen nicht auf dem Rechtsgebiet; indem vielmehr „für die Vermögensangehörig-
keit einer Handlung lediglich das sie nach der Verkehrsauffassung beherrschende
wirthschaftliche Interesse" maßgebend ist, das Interesse, dem sie dient, erscheint
als objektiv fremd das Geschäft, aus dessen Inhalt ohne Weiteres ersichtlich ist,
daß es nicht im Interesse des Handelnden abgeschlossen wird.
Daß das Geschäft als ein fremdes geführt werde, braucht nmn nicht zu
wollen; es genügt Bewußtsein davon, S. 101, 104.
Kapitelllist denRechtswirkungen der Geschäftsführung gewidmet, zunächst
in Abschnitt I den inneren. Der ausführliche zweite Abschnitt, S. 164ff.,
behandelt die äußeren Wirkungen. Verfasser stellt nämlich die Geschäfts-
führung nicht nur als ein verpflichtendes Verhältniß zwischen den Betheiligteil
dar, sondern untersucht ihre ganze Bedeutung auch nach außen für die Be-
ziehungen des Geschäftsherrn zu Dritten, S. 176. So enthält das Buch auch
eine ausgiebige, wennschon m. E. nicht überall im Ergebnisse beifallswerthe
56) Dr. H. Jsay, Die Geschäftsführung nach dem B.G.B. f. d. Deutsche
Reich. (O. Fischer's Abhandlungen VI, 1.) Jena, G. Fischer 1900. XII u.
412 S. Pr. M. 9,50.

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