Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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ausfallende, Darlegung, daß der Gesellschaftsvertrag ein gegenseitiger Vertrag
im Sinne der 88 320 ff. sei, S. 309.
Im Anfänge, S. 328ff., verbreitet sich der Verfasser über die Frage nach
der Haftung Dritter für die Unmöglichkeit der Leistung; er kommt hier mit sehr
scharfsinniger, eigenartiger Begründung zu dem auch von mir (in der Berliner
Festschrift für Dernburg) vertretenen Satze, daß sich die Ersatzpflicht aus 8 823
Abs. 1 wegen Verletzung eines „Rechtes" auf obligatorische Rechte nicht
beziehe; einer seiner Hauptgründe ist der, daß die gegentheilige Lehre das doch
von den Verfassern als „zu weitgehend" abgelehnte Recht zur Sache in noch
verschärfter Art wieder in das Gesetzbuch hineinbringen würde. „Es hat fast
den Anschein, als wollten diejenigen, welche die hier abgelehnte Auffassung des
8 823 vertreten, die Schwächung, die das dingliche Recht im B.G.B. durch Auf-
nahme des Hand wahre Hand-Prinzips erfahren hat, dadurch wett machen, daß
sie das Forderungsrecht mit entsprechend stärkerer Intensität versehen".
Ich wünsche den Arbeiten von Kisch und Titze allseitig das hohe Maß
von Anerkennung, auf das sie bei ihren äußeren und inneren Vorzügen vollauf
Anspruch haben!
Die Lehre von der Hinterlegung ist durch zwei Arbeiten vertreten, von
Müller und von Beer.°ft Des ersteren Studie ist eine fleißige und streb-
same Erstlingsarbeit, die ihren Stoff klar und gewandt vorträgt, ohne doch das
Problem wissenschaftlich hervorragend zu fördern. Der Versuch, nachzuweisen,
daß die Folge eines dem 8 383 zuwider am Unrechten Orte erfolgten Selbst-
hülfeverkaufs Unwirksamkeit, nicht nur Ersatzpflicht bilde, ist beachtenswerth,
aber m. E. nicht gelungen.
Viel bedeutsamer ist die Habilitationsschrift von Beer. Sie verdient als
gutgeschrieben, klargedacht und das Thema von der vollen Höhe der Wissen-
schaftlichkeit aus anfassend und fördernd durchaus Lob. Man findet darin
manche selbständigen, meist beifallswerthen Ideen, so über das Wesen der Hinter-
legung, S. 53. Der Vertrag ist nach Beer kein Verwahrungsvertrag, sondern
ein als „Hinterlegungsvertrag" zu bezeichnendes negotium sui generis.
Andere hervorzuhebende Untersuchungen finden sich in dem Buche über
den Charakter der Rücknehmbarkeit — sie ist kein Anspruch, sondern nur die
Befugniß, durch einseitige Erklärung einen wirklichen Rückerwerbsanspruch zu
erlangen und das Recht des Gegners zu vernichten, S. 67—68. Beer beweist
diese seine These durch den Hinweis auf die einseitige, annahmelose Verzichtbar-
keit auf die Rücknahmebefugniß, sowie ihre Unverjährbarkeit.
Interessant sind auch die Erörterungen über den Einfluß des Konkurses
des Schuldners auf die Hinterlegung, S. 97ff. (s. namentlich die Auseinander-
setzung mit Hellwig, S. 99—101); über das Wesen des Selbsthülfeverkaufs,
S. 15, 17, den Beer mit Fug als Vorbereitungsakt für die Hinterlegung auf-
51) Rechtspraktikant P. Müller in Jhering's Jahrbüchern Bd. 41 S. 411
bis 520. — Ger.Ass. Dr. L. Beer, Die Hinterlegung zum Zwecke der Schuld-
befreiung. Leipzig, Hirschfeld I960. 136 S. Pr. M. 3,20.

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