Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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auf einem Rechtsgeschäfte des Schuldners mit einer dritten Person beruhe, die
Gegenleistung der letzteren nicht unter 8 281 falle- Sie sei kein dem objektiven
Werthe der Leistung angepaßter Ersatz, vielmehr durch die zufälligen Interessen
und Bedürfnisse des Schuldners bestimmt, S. 199. Nicht aber brauche der
schädigende Umstand im Sinne einer Anwendbarkeit des 8 281 die rechtliche
Grundlage des Ersatzanspruchs im eigentlichen Sinne zu sein, sondern nur eine
Voraussetzung desselben. „So ist z. B. die Versicherungssumme geschuldet auf
Grund des Versicherungsvertrags, aber infolge (?) des Untergangs der Schuld-
sache", S. 203. Auch die Bemerkungen S. 233f. gegen Hellwig, wonach bei
Verträgen zu Gunsten Dritter das Ausbleiben der zur Ausführung der Er-
füllung nöthigen Mitwirkung des Dritten unter Umständen Unmöglichkeit der
Leistung bewirken soll, sind sehr beachtenswerth.
Nicht minderen Werth besitzt Titze's noch umfassendere Arbeit. Sie ist
insofern reichhaltiger als die von Kisch, als sie dem Begriffe der Unmöglichkeit
und seinen verschiedenen Unterarten viel ausführlichere Untersuchungen widmet,
ferner hinter der nachträglichen auch der anfänglichen Unmöglichkeit ihre Auf-
merksamkeit widmet, endlich die verschiedenen Einzelverträge, bei denen die Un-
möglichkeit häufiger praktisch wird, gesondert untersucht. Dagegen konnte Kisch
bei seiner größeren Konzentration des Themas den von ihm behandelten Partien'
mehrfach längere Auseinandersetzungen widmen, als wir sie darüber bei Titze
finden. So bilden beide Bücher, weit davon entfernt, einander inhaltlich zu
decken, eine treffliche Ergänzung zu einander.
Bei Titze berührt äußerst wohlthuend seine völlige Freiheit vom land-
läufigen Positivismus, seine ständige Verwerthung des bisherigen Rechtes, die
Reichhaltigkeit rechtspolitischer Perspektiven, die einfach musterhafte Beherrschung
der Literatur, die Klarheit der Sprache. Die Kritik der Unterscheidungen von
objektiver und subjektiver, von anfänglicher und nachträglicher Unmöglichkeit
(s. S. 54 f., 70, 246), sind von hohem wissenschaftlichen Werthe, wenn man sich
auch dem fast durchaus negativen Ergebnisse schwerlich überall anschließen wird.
Von dem reichen Einzelinhalte kann hier natürlich nur Weniges erwähnt
werden:
Im ersten Kapitel (Begriff und Arten der unmöglichen Leistung) legt Titze
dar — ähnlich wie Kisch — daß die Unmöglichkeit im Rechtssinne nichts mit
einer solchen im formal-materialistischen Sinne zu thun hat; bei ihrer Abgrenzung
kommt es vielmehr darauf an, „was im einzelnen Falle mit Rücksicht auf Treu
und Glauben im Verkehr vom Schuldner verlangt werden darf", S. 4. So
würde man sagen müssen, daß dem Miether die rechtzeitige Räumung der Wohnung
unmöglich sei, wenn er oder ein Mitglied seiner Familie in einer den Transport
gefährlich machenden Weise krank darniederliege. Der Richter müsse im All-
gemeinen auf zwei Dinge sein Augenmerk richten: einmal, wieweit der Schuldner
die zur Bewirkung der- Leistung zu überwindenden Schwierigkeiten bei Ein-
gehung des Schuldverhältnisses gekannt habe; zum Anderen, ob und welche
Gegenleistung von den Parteien vereinbart worden sei, S. 7.
Jede Leistung erfordert ein dreifaches:

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