Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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Von ihnen steht die Arbeit Kleineidam's wie an Umfang so auch an
Werth hinter den beiden anderen stark zurück. Die Kasuistik ist verhältniß-
mäßig knapp, aber auch die Erforschung der prinzipiellen Gesichtspunkte, aus
die der Verfasser allem Anscheine nach den Schwerpunkt legt, wird m. E. durch
seine Untersuchungen nicht sonderlich gefördert. Die Argumentationen sind nicht
immer durchsichtig, so in der Besprechung des 8 279 S. 125, die nur wenig
befriedigen kann. Manche Auffassungen hat man als unkorrekt zu tadeln, so wenn
S. 5 die Zahlung durch Stellvertreter und die Zahlung fremder Schulden mit-
einander verwechselt werden. Hätte sich der Verfasser etwas energischer in der
vorhandenen Literatur umgesehen, so hätte ihm ein solcher Lapsus nicht passiren
können. Bedenken erregt auch die Gleichstellung der Wirkungen des befristeten
mit denen des bedingten Rechtsgeschäfts, S. 90. Eine solche Frage wird mit
der im § 163 B.G.B. beliebten Verweisung für die Wissenschaft natürlich nicht
erledigt; die vertiefende Betrachtung wird sowohl theoretisch wie praktisch
zwischen beiden wichtige Unterschiede feststellen können und müssen.
Die Literaturbenutzung weist nicht nur, wie schon angedeutet, bedenkliche
Lücken auf — gegenüber einer übermäßigen Benutzung der Vorarbeiten —, sondern
die geringe Sorgfalt, die Verfasser auf die Orthographie verschiedener allgemein
bekannter Namen verwendet, berührt, gelinde gesagt, peinlich. Er schreibt
durchgehends Zacharias-Crome, Seufferth!
Beifallswerther sind andererseits die Bemerkungen über die Relativität
des Maßstabs bei Beurtheilung der Unmöglichkeit, S. 15, sowie manche andere
öfters nicht üble Bemerkung, s. z. B. S. 37—38, während die Erwägungen
S. 41 über die Verjährungsfrist des Anspruches aus 8 307 mich nicht zu über-
zeugen vermochten. Im Ganzen kann ich in dem Buche eine sonderliche Be-
reicherung der Literatur nicht erblicken.
Als desto vortrefflicher erweisen sich die beiden anderen Arbeiten von Kisch
und Titze. Sie gehören beide zu beu allerbesten Erscheinungen des letzten
Jahres und erfreuen den Leser umsomehr, da sie beide von jugendlichen Autoren
ausgehen, von denen wir uns künftig noch umsomehr werthvolle Arbeiten ver-
sprechen dürfen. Wenn man zeitweilig die Befürchtung hegen mußte, daß mit
dem neuen Recht in die Literatur, zumal der jungen Generation, zunächst ein
verflachender Positivismus einziehen würde, so haben mich Bücher wie die hier
genannten zu meiner lebhaften Freude eines Besseren belehrt. Nur darüber
kann man zweifeln, welcher der beiden schönen Leistungen der Vorrang gebühre.
Doch ist solche Frage schließlich müßig; wir wollen uns" mit der Thatsache
beruhigen, in jeder von beiden eine Zierde der Literatur des neuen Rechtes zu
besitzen.
1900. XII u. 272 S. Pr. M. 7. - Ger.Asi. und Pr.Doz. vr. F. Klein-
eidam, Unmöglichkeit und Unvermögen nach dem B.G.B. f. d. deuffche Reich.
(O. Fischer's Abhandlungen VII, 1.) Ebenda 1900. IV u. 168 S. Pr. M. 4.
— Pr.Doz. vr. H. Titze, Die Unmöglichkeit der Leistung nach deutschem bürger-
lichem Recht. Leipzig, Ad. Titze 1900. XI u. 337 S. Pr. M. 8,50.
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