Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

82

Paul Oertmann.

speziell dem enteigneten Grundstück in Folge der Enteignung oder der Anlage
erwachsen; die Gründe der gegentheiligen herrschenden Lehre erweisen sich nicht
als stichhaltig.
Der zweite Theil des Buches befaßt sich mit der Abtretungspslicht
der Ansprüche aus 8 255 B.G-B. Im Gegensätze zu SKollmer>er sehe
ich darin nicht einen besonderen Anwendungsfall der Vortheilsausgleichung.
Auch wo sich diese in Form einer Abtretung des in einem Ansprüche bestehenden
lucrum vollzieht, unterscheidet sie sich von der Abtretungspflicht aus 8 255
wesentlich dadurch, daß das nach 8 255 Abzutretende nur ein in Eigenart und
Umfang durch das beschädigte Rechtsgut bestimmtes Surrogat desselben dar-
stellt, kein ihm gegenüber selbständiges, mit dem Schaden nur durch die Ge-
meinsamkeit der Kausalbeziehung auf dieselbe Ursache zusammenhängendes lucrum.
Daher kann es im Falle von 8 255 zu dem bei der Vortheilsausgleichung wich-
tigsten Modus der Anrechnung gar nicht kommen — soweit der nach 8 255 ab-
zutretende Anspruch bereits von dem dritten Verpflichteten beglichen ist, bildet
dys Empfangene nicht nur einen Anrechnungsposten auf den davon abgesehen
bestehen bleibenden Anspruch gegen den Ersatzpflichtigen, sondern mindert diesen
von vornherein auf dem geraden und einfachen Wege der Zahlung.
Es wird weiterhin der Nachweis versucht, daß Objekte der Abtretungs-
pflicht nicht nur dingliche, sondern auch obligatorische, insbesondere deliktische
Ersatzansprüche gegen Dritte bilden. Letzterenfalls ergeben sich für das Ver-
hältniß der beiden Ersatzpflichügen interessante und schwierige Fragen — beide
Schuldner stehen im Verhältniß einer unechten Solidarität, jedoch ist die Haf-
tung des unmittelbaren Thäters die intensivere gegenüber der des für die
Schädigung nur als mittelbarer Verursacher verantwortlichen Kontrakts-
schuldners; während die Leistung des ersteren den letzteren befreit, der noch
nicht getilgte Anspruch gegen ihn dem Kontraktsschuldner abzutreten ist, zieht
das Bestehen des Anspruchs gegen letzteren bezw. seine Tilgung zu Gunsten
des unmittelbaren Thäters derlei Wirkungen nicht nach sich.
Der Anhang verbreitet sich über die Frage, wieweit man wegen einer
bloßen Entwerthung von Gegenständen vom Beschädiger vollen Ersatz gegen
Herausgabe des entwertheten Stückes begehren könne.
Wieweit es mir gelungen sei, die hier in den Grundzügen vorgeführten
Ergebnisse meiner Schrift, die ich überall auf ein möglichst reichhaltiges Material
aus den römischen und modernen Rechtsquellen sowie aus der Praxis aufzubauen
versucht habe, zu erweisen, muß ich der Beurtheilung Anderer überlassen.
Auffallend stark ist das Interesse, das sich im letzten Jahre den mit der
Unmöglichke44-LLr--^eistung zusammenhängenden Problemen zugewendet
hat. Nicht weniger denn drei umfassende Monographien liegen darüber vor,
von Kisch, Kleineidam und Titze.
B0) Pr.Doz. Dr. W. Kisch, Die Wirkungen der nachträglich eintretenden
Unmöglichkeit der Erfüllung bei gegenseitigen Verträgen nach dem B.G.B. für
das deutsche Reich. (O. Fischer's Abhandlungen VII, 2.) Jena, G. Fischer

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer