Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

wird es sein, in etwaigen neuen Auflagen zu den scharf zugespitzten Thesen des
Verfassers Stellung zu nehmen.
Zahlreiche Arbeiten befassen sich mit den Materien des Schadensersatzes
und der Unmöglichkeit der Erfüllung.
Aus der ersteren Gruppe hebe ich zunächst die gute, klargedachte und durch
selbständige Kritik anerkennenswerthe Erstlingsschrift von VaLLmar") hervor.
Sie verwirft zutreffend die sogenannte subjektive Theorie der höheren Gewalt,
bemängelt aber auch die objektive in ihren bisherigen Ausprägungen. Verfasser
selbst scheidet zunächst alle schuldhaft herbeigeführten Schäden aus dem Gebiete
der vis maior aus, denn diese ist nur ein Ausschnitt aus dem Bereiche des
cbsus, „durch die culpa aber erscheint jeder anderweitige Kausalzusammenhang
unterbrochen", S. 35. Erfordert ist ferner zwar konkrete Unabwendbarkeit,
aber dieselbe reicht für sich allein zur Annahme einer vis maior nicht aus, S. 44.
Mit der abstrakten Unabwendbarkeit andererseits kann man als mit „etwas
Unfaßbarem" in der Lehre vollends nichts anfangen, S. 48. Der Grund der
Haftung bis zur vis maior liegt einfach in der objektiven Verursachung des Schadens
durch den Haftenden, „weil er in Folge des von ihm betriebenen Unternehmens
entstanden ist", S. 51. Daß die Römer dieses treibende Prinzip nicht subjektiv
klar erkannten, kann nicht Wunder nehmen — „das eben zur Alleinherrschaft
gelangende Culpaprinzip hielt die Juristen zu sehr im Bann, als daß sie ein
anderes daneben anerkennen mochten".
Die Lehre von der compen8atio lucri cum damno fördert zunächst
Walsmann") mit seiner tüchtigen Dissertation. Dieselbe ist vor Allem be-
achtenswerth wegen der darin vollzogenen scharfen Scheidung der sogen, ab-
strakten und konkreten Schadensauffassung, von denen jene im Schaden nur
eine rechnerische Größe erblickt, den Werthbetrag, um den das Vermögen durch
die Schädigung vermindert worden ist (= Interesse). Gegenüber diesem meist
allein beachteten verficht Walsmann den konkreten Schadensbegriff, der im
Schaden die Einbuße selbst erblickt, „welche das Rechtssubjekt in Gestalt der
Entziehung oder Beschädigung eines Vermögensbestandtheils am Vermögen er-
litten hat", S. 10. Nur bei dieser Schadensauffassung behält die von Wals-
mann behandelte Rechtsfigur ihre selbständige Existenzberechtigung, während
nach der abstrakten Theorie das zugleich mit dem damnum entstandene lucrum
nichts als ein bei der Feststellung des einheitlichen Jnteressebetrags in Betracht
zu ziehendes Abschätzungsmoment darstellen würde.
Zur Dogmatik der von ihm ex professo behandelten Frage selbst bringt
Walsmann weniger Neues, begnügt sich vielmehr mit einer Nachprüfung der
bisherigen Anschauungen. In den sorgsam verwertheten römischen Quellen findet
er für die Lehre „nur kasuistische Entscheidungerl, nirgends feste Prinzipien".
*7) Dr. Erich Volkmar, Vis maior und Betriebsgefahr (aus Rechts-
und ftaatswissensch. Studien). Berlin, Ebering 1900. 94 S. Pr. M. 2,40.
") Res. H. Walsmann, compensatio lucri cum damno. Rostocker
Dissertation. Rostock, Boldt 1900. 112 S.

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