Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

dagegen als Durchbrechung desselben zu Gunsten desjenigen, der, ohne die durch
die Umstände gebotene Sorgfalt zu vernachlässigen, auf die offene Vollmachts-
erklärung des Prinzipals vertraut hat"), S. 218.
Sehr ausführlich verbreitet sich der Verfasser weiterhin über das Problem
des Selbstkontrahirens des Bevollmächtigten. Ein begriffliches Be-
denken soll ihm nicht entgegenstehen, aber wegen der vielfach unvermeidlichen
Jnteressenkollisionen wird es von den positiven Rechtsordnungen nicht unbe-
schränkt zugelassen. Das gilt auch vom römischen Rechte, s. nam. S. 318. Die
Vorschrift des B.G.B. 8 181 findet nicht den Beifall unseres Verfassers; er be-
streitet dabei gegen Planck mit guten Gründen die Annahme, daß ein gegen
die Vorschrift verstoßender Vertretungsakt „absolut und definitiv nichtig sei",
S. 341 — ähnlich wie Enneccerus und Hölder. Selbst nachträgliche
Genehmigung soll ihm Wirksamkeit verschaffen können.
Es folgen Untersuchungen über die Substitutionsmacht des Bevoll-
mächtigten, <S 344 ff. Das Wesen der Substitution erblickt Hupka in einem
neuen Auftrag und einer neuen Vollmachtsertheilung des Substituenten; der
Substitut wird daher Mandatar und Bevollmächtigter des letzteren, nicht des
Prinzipals, S. 356.
Abschnitt IV endlich befaßt sich mit dem Erlöschen der Vollmacht. Ihr
Bestand ist grundsätzlich unabhängig von dem des Kausalverhältnisses, dem sie
ihre Entstehung verdankt. Wenn das deutsche B.G.B. im 8 268 das Gegentheil
bestimmt, so ist das nach Hupka theoretisch verfehlt und führt mehrfach zu
bedenklichen Ergebnissen, S. 378 ff.
Die Vollmacht ist nicht überall widerruflich; ob und inwieweit sie es sei,
bestimmt der reale Zweck, zu dem sie ertheilt wird. Auch einen Widerrufs-
verzicht erachtet Hupka für wirksam, S. 396; aber er soll nur wirken redus
sie stantibus, s. @. 405, 407. Eine allgemeine Regel über seine Grenze findet
er darin, daß die durch ihn geschaffene Gebundenheit des Prinzipals erlösche
einmal, wenn das Interesse, um dessentwillen die Unwiderruflichkeit ausbedungen
wurde, nachträglich fortgefallen sei; zum andern, wenn in der Person oder den
Verhältnissen des Bevollmächtigten solche Veränderungen eingetreten seien, die
den Fortbestand der Vertretungsmacht als eine schwere Gefährdung des Prinzipals
erscheinen ließen.
Eine Kündigung der Vollmacht wirkt nicht direkt, sondern nur, sofern
das etwa zu Grunde liegende Kausalverhältniß vom Schuldner einseitig beendet
werden kann — denn alsdann fällt mit ihm gemäß 8 168 S. 1 auch die Voll-
macht weg, S. 391.
Dilthey vergleicht in einer gutgeschriebenen, aber kaum Neues bietenden
Dissertation3") die exceptio rei venditae et traditae mit dem neuen
Satze des B.G.B. 8 185*. Er sieht das rechtsbegründende Moment bei jener
„in der rechtlich bindenden Verpflichtung zur Tradition", S. 21. Zum Eigen-
S9) Der Titel ergiebt sich aus dem Text. Erlanger Dissertation von. 1900.
Düsseldorf, Schwann 1901. 63 S.

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