Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

S. 22. Das ist äußerst unbefriedigend und läßt, von Anderem abgesehen, die
Frage offen, wieweit denn mangels gesetzlicher Sonderbestimmung — also etwa
für das Gebiet des genieinen Rechtes — die angeschnittene Frage zu beantworten sei.
In einer wohldurchdachten Dissertation stellt Paech* * 3") die Begriffe des
„Bestandtheils" und des „Zubehörs" einander gegenüber und erläutert sie ins-
besondere recht anschaulich nach ihrer wirthschaftlichen Bedeutung hin. Für
die Dogmatik bietet die Arbeit im Einzelnen wenig Neues; zu erwähnen ist nur,
daß Verfasser die Bestimmung des 8 95 auch auf Miethe und Pacht ausgedehnt
wissen will, S. 22; daß er ferner die Frage nach der Möglichkeit eines Sonder-
besitzes an unabgetrennten Bodenbestandtheilen, wohl mit Recht, verneint, S. 31.
Zwei Arbeiten befassen sich mit dem Rechte der Vollmacht. Die erste,
eine Dissertation von Leszynsky,^) vertritt in klarer Darstellung den der
herrschenden Lehre entsprechenden Satz von der an sich abstrakten Natur der
Bevollmächtigung — „weil sie Klarheit und Sicherheit des Geschäfts und seiner
Wirkung fordert, und deshalb den dadurch begründeten Rechten auch eine größere
Verkehrstauglichkeit giebt". Allerdings ist das Gruirdverhältniß zur Beurtheilung
des Vollmachtsinhalts heranzuziehen, aber nur insofern, „als es dazu dienen
kann, den erklärten oder bethätigten Willen des Vollmachtgebers zu erkunden",
S. 36.
Viel umfassender und bedeutsamer ist die große Monographie, die Hupka33)
der Lehre von der Vollmacht widmet. Das Buch gehört zu den interessantesten
und beachtenswerthesten Publikationen des letzten Jahres, ausgezeichnet durch
gediegene Sachkenntniß, Literaturbeherrschung, selbständiges Urtheil und Neuheit
der Ergebnisse. Es fördert die behandelte Lehre in wesentlichen Punkten und
ist als erstmalige ausführliche Gesammtdarstellung derselben von erheblichem
Werthe.
Was freilich im ersten Abschnitt über die Vertretung im Allgemeinen ge-
sagt wird, ist nicht sonderlich bedeutsam und kommt über die sogenannte Repräsen-
tationstheorie, der Hupka folgt, in ihren bereits bekannten Gründen und Er-
gebnissen nicht hinaus. Auch sein Versuch, trotz dieser Grundanschauung die
Wirkung der Willensmängel großentheils aus der Person des Vertretenen zu
bestimmen (S. 56, 57), scheint mir nicht gelungen.
Werthvoller sind die der Vollmacht als solcher gewidmeten Untersuchungen.
Sie ist nach Hupka nicht etwa als antizipirter Bestandtheil des vom Bevoll-
mächtigten abzuschließenden Geschäfts anzusehen, sondern nur als Zustimmung
zum Kontrahiren des Vertreters (S. 201); Bedingung wie Grenze für die Wirk-

36) Res. Fr. Paech, Bestandtheil und Zubehör. Berliner Dissertation von
1900. Berlin, W. Gronau. 63 S.
3^),Ref. Ed. Leszynsky, Die abstrakte Natur der Bevollmächtigung.
Jenenser Dissertation. Jena, Kämpfe 1901. 43 S.
S8) Dr. iur. Josef Hupka, Die Vollmacht. Eine civilistische Untersuchung
mit besonderer Berücksichtigung des deutschen B.G.B. Leipzig, Duncker & Humblot
1900. XI u. 440 S. Pr. M. 9,20.

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