Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

worden. Das durch splendiden Druck und übersichtliche Anordnung ausgezeich-
nete Buch giebt unter im Allgemeinen geschickt ausgewählten Stichworten die-
jenigen Paragraphen des Gesetzbuchs und seiner Nebengesetze, sowie der er-
gangenen bayerischen Aussührungsbestimmungen an, wo sich darüber Näheres
findet; es beschränkt sich aber nicht daraus, sondern faßt vielfach den Inhalt der
so angezogenen Sätze in einer kurzen Formel zusammen, z. B. werden bei dem
Schlagwort „Erbe" unter Nr. 5 kurz die Fälle angeführt, wo derselbe un-
beschränkt haftet „») wenn nicht Nachlaßkonkurs oder -Verwaltung beantragt ist,
1967, 1975; b) soweit Anspruch durch Vormerkung im Grundbuche gesichert ist,
884; c) wenn er nicht binnen gestellter Frist Inventar errichtet, 1999, 2000;
d) wenn er es absichtlich falsch errichtet, 2005; e) wenn er den Offenbarungs-
eid nicht leistet, dem Gläubiger gegenüber, 2006 Abs. 3; f) wenn er nicht beim
Mangel genügender Masse Nachlaß zur Befriedigung der Gläubiger im Wege
der Zwangsvollstreckung herausgiebt, 1990, 1992". Um noch ein weiteres Bei-
spiel anzugeben, werden bei der „Auskunstsertheilung" nicht weniger als
20 gesetzliche Fälle einer solchen unter Angabe der entsprechenden Gesetzesstellen
zusammengestellt; unter „Aufrechnung" finden sich einerseits 9 Fälle einer aus-
nahmsweisen Unstatthaftigkeit, andererseits 12 Fälle einer mehr oder minder
besonders gearteten vorgeführt.
Man kann ein Buch solcher Art zunächst natürlich nur aus Stichproben
kennen lernen; ich habe aber bereits den besftmmten Eindruck gewonnen, daß
es sorgfältig und geschickt angelegt ist und der Theorie wie der Praxis nicht
unerhebliche Dienste leisten kann. Daß man aus den kurzen Formeln des Ver-
fassers nicht immer sofort ein klares Bild von der Tragweite der einzelnen an-
gezogenen Bestimmung gewinnen wird, ist natürlich unbestreitbar; aber was sich
zur Verdeutlichung thun ließ, ohne daß eine ermüdende und der Brauchbarkeit
der Schrift abträgliche Breite hervorgerufen wurde, hat Verfasser nach besten
Kräften gethan, und er hat bei seinen Aufzählungen, wenn auch natürlich keine
absolute Vollständigkeit erzielt, so doch fast überall das Wichtigere in meist
korrekter Weise angegeben.
Eine sehr kleine, aber interessante und auf vollster Stoffbeherrschung
beruhende Uebersicht über die leitenden Grundsätze des neuen Rechtes legt
Ebbecke^) vor. Sein Zweck, „in knappster Form eine leicht verständliche
Uebersicht der Grundsätze des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu geben" (s. Vorrede),
dürfte dem Verfasser in befriedigender Weise gelungen sein, wenn auch das volle
Verständniß des Gebotenen in Wahrheit doch wohl eine juristische Schulung
dös Lesers voraussetzen dürfte. Um sich über die Grundideen des neuen Rechtes
zu orientiren und sich über sein noch immer von der Parteien Gunst und Haß
einigermaßen verwirrtes Charakterbild ein selbständiges Urtheil zu bilden, wird

und seine Nebengesetze mit besonderer Berücksichtigung der für Bayern geltenden
Bestimmungen. München, Schweitzer 1900. VII u. 372 S. Pr. geb. M. 9.
0^) K.G.R. vr. I. Ebb ecke, Grundsätze des bürgerlichen Rechts. Berlin,
Haering 1901. 96 S. Pr. M. 2.

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