Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

Das Gebotene erscheint fast überall beifallswerth; nur selten hat der Leser
Anlaß, ein Fragezeichen an den Rand zu setzen: so wenn Otto S. 217 sagt,
das Gesetz gehe im 8 243 einen Mittelweg zwischen den im gemeinen Rechte
vertretenen Theorien der Ausscheidung und der Lieferung, während es doch in
Wahrheit der letzteren, wie sie wenigstens Jhering vertreten hatte, durchaus
folgt. Wenn er ferner S. 265 ausführt, bei den Verträgen zu Gunsten Dritter
gebe das Gesetz dem Dritten immer das Recht, während das Recht des Ver-
sprechensempfängers ausgeschlossen sein könne, so ließe sich mit 'mehr Recht
gemäß 8 335 gerade das Gegentheil behaupten. Trefflich ist andererseits
Otto's gerechte, vor Uebertreibungen warnende Würdigung des 8 242; den
Satz S- 216:
„Wir wollen uns auch eins nicht verhehlen. Wenn die natür-
liche Billigkeit für Inhalt und Umfang der Leistung souverän gemacht
wird, so entsteht daraus für die Betheiligten eine gewisse Unsicherheit;
wer weiß mit Gewißheit im Voraus, was für die Erfüllung dermal-
einst als das der Verkehrssitte im gegebenen Falle Entsprechende
anerkannt werde?"
unterschreibe ich Wort für Wort- Sehr beachtenswerth scheint mir auch die
Feststellung S. 316, wieweit „das Forderungsrecht als Ganzes" durch Andere
als den Schuldner verletzt werden könne.
Auch Börn er's Bemerkung zur Ausfüllung der Lücken des im Einführungs-
gesetz enthaltenen Internationalen Privatrechts, S. 26:
„Indem der Gesetzgeber ausspricht, daß in einem näher bezeich-
neten Falle das deutsche Recht Anwendung findet, giebt er mittelbar
zugleich zu erkennen, welche von den in Betracht kommenden räum-
lichen Beziehungen die für die Bestimmung des anzuwendenden Rechtes
maßgebende ist, und an diese mittelbare Entscheidung ist die Theorie
und Praxis bei Beantwortung offen gelassener Fragen der ein-
schlagenden Art gebunden."
dürfte durchaus das Richtige treffen, während seine Auffassung der juristischen
Person als eines bloßen „juristischen Gelenks" (S. 30) Widerspruch Hervorrust.
Besonders erfreut hat mich, zumal aus dem Munde eines angesehenen Prak-
tikers, die Bemerkung (S. 51), es dürfe erwartet werden, daß die reiche Kasuistik
der Pandekten auch ferner ihre guten Dienste thun werde. „Wir haben die
Pandekten allezeit neben unserem Gesetzbuch in der Hand behalten: es wäre
verhängnißvoll, wenn dies nicht auch später geschähe."
Ein weiteres Eingehen auf die Einzelheiten dieser schönen literarischen
Gabe verbietet mir die Rücksicht auf den verfügbaren Raum.

e) Lexika und sonstige allgemeinere Arbeiten.
Die vorhandenen lexikographischen Arbeiten sind durch eine in der Berichts-
periode vollendete Publikatton. von Dispeker^) um eine weitere vermehrt
s“) R.A. Dr. Dispeker, Alphabetisch geordneter Führer durch das B.G.B.

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