Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

Doch das sind schließlich Einzelheiten — im Ganzen wird die Neubear-
beitung als eine zu den besten Erwartungen sür den weiteren Fortschritt der
Neuauflage berechtigende, wohlgelungene zu rühmen sein. Endemann's Buch
beruht auf einem reichen Schatze von Gedankenarbeit und Kenntnissen, und man
wird ihm den so nachhaltigen Erfolg als einen nicht unverdienten gern gönnen.
Eine im Ganzen noch werthvollere Leistung bleibt freilich nach wie vor
Eosack's ausgezeichnetes Werk, von dem nunmehr die dritte Auflage im schnellen
Tempo des Erscheinens vollständig geworden ist. Sie ist, wie man bei näherem
Studium alsbald merkt, im Einzelnen einer energischen und erfolgreichen Revision
unterzogen worden; in manchen Punkten — so in der Frage, ob die Gültigkeit
der Aufrechnungserklärung durch die Existenz der Gegenforderung bedingt sei,
und in vielen anderen mehr — hat Co sack seine Ansicht geändert oder doch
modifizirt; in anderen gegen erhobene Einwände fester gestützt. Die inzwischen
erschienene Literatur ist gewissenhaft benutzt, wennschon nur verhältnißmäßig
sparsam citirt. Im Ganzen trägt die Auflage den Stempel einer erheblich ver-
besserten und vermehrten, aber keineswegs grundsätzlich umgearbeiteten, und es
dürfte an dieser Stelle somit eines näheren Eingehens nicht bedürfen.
Dernburg's Werk^) war noch nicht vollendet, und schon hatte sich längst
das Bedürfniß nach einer Neubearbeitung des zuerst erschienenen Sachenrechts
(Bd. 3) herausgestellt. Diesem Bedürfniß konnte der verehrte Verfasser aber
nicht genügen, solange die gerade für das behandelte Gebiet hervorragend wich-
tigen preußischen Ausführungsgesetze und -Verordnungen noch nicht erschienen
waren. Jetzt, nachdem dies geschehen, hat er die sie in den Stoff hineinarbeitende
Neuauflage alsbald veröffentlicht. Davon abgesehen, weist diese keinerlei be-
deutsame Abweichungen gegenüber der ersten auf; sie beschränkt sich im Uebrigen
auf die Berichtigung einzelner Jrrthümer und die Heranziehung der inzwischen
erwachsenen Rechtssprüche, während die zahlreiche neue Literatur, m. E. be-
klagenswerther Weise, nur ausnahmsweise vermerkt worden ist. In der Vor-
rede spricht Dernburg den sehr zeitgemäßen Wunsch aus, es möchten im An-
schluß an sein Werk die einzelnen Landesrechte Bearbeitung finden in der Art,
wie es seitens Ruhstrat's inzwischen für Oldenburg geschehen sei.
Neu hinzugekommen aus Dernburg's Werk ist die zweite, größere Ab-
theilung des zweiten Bandes, die den speziellen Theil des Schuldrechts
umfaßt. Sie schließt sich an die Bd. XVII S. 325, 326 besprochene erste würdig
an und weist wiederum alle die bekannten Vorzüge der Arbeiten des Altmeisters
auf. Das im Einzelnen noch Nachweisen zu wollen, hieße einen Dernburg
weniger ehren, als vielmehr herabwürdigen. Nur zur Schilderung der äußeren
**) S. den Titel Bd. XVII S. 363 Nr. 34. Dritte Auflage. Jena, Fischer
1900/1. 630 bezw. 885 S. Pr. M. 11.50 bezw. M. 15.
2S) Prof. vr. H. Dernburg, Das Bürgerliche Recht des deutschen Reiches
und Preußens. Bd. 2 Abth. 2, Einzelne Obligationen. Erste und zweite
Auflage. — Bd. 3, Sachenrecht. Zweite, neu bearbeitete Auflage. Halle, Waisen-
haus 1901. XII u. 720 bezw. XVI u. 824 S. Pr. je M. l2.

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