Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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z. B. S. 31 mit 38, 108 mit 111. Uebrigens ist die Arbeit, wennschon nicht
hervorragend selbständig und in der Entscheidung streitiger Punkte mehrfach
ohne ausreichende Begründung, allzu apodiktisch, im Allgemeinen als sorgsam und
anerkennenswerth zu rühmen. Die anderweite Literatur. hat der Verfasser mit
großer Gewissenhaftigkeit benutzt, soweit es sich um Kommentare und Systeme
handelt, während ihm unter den Monographien ausfälligerweise manche der
wichtigsten entgangen sind. Einzelne Bemerkungen sind auffallend, so die S. 5
oben enthaltene Aufzählung von Niederschlägen einer angeblichen „nationalen Rechts-
entwicklung". In Wahrheit stellt doch die Zulassung der Verträge zu Gunsten
Dritter, der „wirklichen" Cession und Schuldübernahme u. s. w. nichts spezifisch
Nationales, sondern eher einen weltrechtlichen Fortschritt dar. — Die Jdenti-
fizirung von Schaden und Interesse als „Nachtheil, den jemand an einem Rechts-
gilt erleidet", ist nicht genau (S. 31); die Behauptung S. 69, 76, daß, wer sich
auf den gesetzlichen Erfüllungsort berufe, das Nichtvorhandensein eines ander-
weitigen beweisen müsse, geht offensichtlich fehl und beruht auf einer, noch da-
zu sehr fragwürdigen, Buchstabenauslegung des 8 269. Daß ferner beim Fix-
geschäft Ablauf der Lieferung „Unmöglichkeit der Erfüllung" bewirke, trifft
keineswegs für alle Fälle zu und ist mit dem nur ein Rücktrittsrecht ge-
währendeil 8 361 nicht vereinbar.

d) Lehrbücher und sonstige Gesammtdarstellungen.
Ein erheblicher Theil der früher erschienenen Werke dieser Art hat es in
der Berichtsperiode zu neuen Auflagen gebracht. Mit einer solchen — im Ganzen
bereits der achten — hebt zunächst Endemann an, und bezeichnet dieselbe als
eine „völlige Neubearbeitung".^) In der That zeigt die vorliegende erste
Lieferung bereits sehr energische Aenderungen und Besserungen. Das früher
unverhältnißmäßig stark gerathene Entmündigungsrecht ist auf einen dem Systeme
besser angepaßten Umfang reduzirt worden. Andererseits zeigen sich manche
Partien erweitert, namentlich das Internationale Privatrecht, unter dem unver-
kennbaren Einflüsse von Zitelmann, wennschon Endemann dessen Spuren
in wichtigen Punkten nicht folgt, S. 85.
Trotz des bedeutenden Fortschritts ist der Verfasser in verschiedenen
Punkten noch nicht zu einer endgültigen, abgeklärten Anschauung durchgedrungen,
so z. B. in den Fragen nach dem Umfange der rückwirkenden Kraft des B.G.B.,
S. 66; nach dem Wesen der sozialpolitischen Vereine, S. 188. Die Annahme
subjektloser Rechte bleibt bedenklich und wird durch das S. 108 Gesagte keinen-
falls genügend begründet. Den von Endemann beliebten Ausdruck „Verkehrs-
fähigkeit" (für Geschäftsfähigkeit im weiteren Sinne) kann ich schon wegen seiner
Doppeldeutigkeit (es giebt auch verkehrsfähige und -unfähige Sachen) für einen
glücklich gewählten nicht erachten, s. z. B. S. 123.
21) Prof. vr. Fr. Endemann, Lehrbuch des bürgerlichen Rechts. Bd. 1,
Theil 1. Achte neu bearbeitete Auflage. Berlin, Carl Heymanns Verlag 1901.
225 S. Pr. M. 3.
Archiv für bürgerliches Recht. XX. Band.

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