Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

Werkes. Was soll z. B. gleich S. 1 die seltsame, ja direkt verfehlte Behauptung,
das römische Erbrecht sei Ausfluß des Eigenthums, „welches jedem einzelnen
Menschen an seinem Vermögen zusteht?" Was der ebenda vorfindliche Satz,
man habe in Hamburg die bereältas iacens als juristische Person anerkannt.
Ist das außerhalb der Mauern der Hansastadt etwa nicht auch meistens ge-
schehen? Aehnliche Merkwürdigkeiten ließen sich zu Dutzenden, vielleicht Hunderten,
Nachweisen.
Immerhin müssen wir es dem Verfasser aufrichtig Dank wissen, daß er
es verstanden bat, seinen Kommentar als ersten und einzigen von den Kon-
kurrenzarbeiten annähernd gleichzeitig mit dem Inkrafttreten des neuen Rechtes
vollendet vorzulegen.
g) Kuhlenbeck's18b) Kommentar ist in der Berichtsperiode durch Erscheinen
der Erläuterung zum Einführungsgesetz fertig geworden. Die Darstellung dürfte
die früher erschienenen Partieen an Reichhaltigkeit verhältnißmäßig noch über-
treffen — bei der Wichtigkeit der behandelten Gebiete gerade für die jetzige
Uebergangszeit durchaus berechtigter Weise. — Die Arbeit ist durch übersichtliche
Anordnung, selbständige Auffassung und treffliche Verwerthung der älteren und
neueren Literatur sowie des landesrechtlichen Gesetzesmaterials ausgezeichnet
und verdient in mindestens gleichem Maße die Anerkennung, welche den älteren
Abtheilungen des Werkes früher gezollt werden konnte.
h) Von den übrigen im Erscheinen begriffenen Kommentaren hat nur der
von Türcke-Niedenführ") in der Berichtsperiode eine neue Abtheilung ge-
bracht. Sie behandelt in entsprechender Weise, wie die früheren Theile, das
Sachenrecht, und zwar bis zu 8 958, unter Beifügung der noch in Betracht
kommenden Sätze des preußischen Landrechts und eines reichen Materials aus
den sonst einschlägigen preußischen Gesetzen und Verordnungen. Da ich mich
über Eigenart und Werth dieses gediegenen Werkes in der vorigen Rundschau
ausführlich geäußert habe (XVIII, 361) und die vorliegende Abtheilung keinen
Anlaß zu besonderen Bemerkungen bietet, so mag diesmal der kurze Hinweis
genügen.
i) Endlich ist ein neues kommentatorisches Unternehmen aus der Feder
von Kaufmann hinzugekommen, von dem mir der zweite Band2Ü) vorliegt.
Es bietet eine eigenthümliche Kombination von einem kurzen, grundrißartigen
System und einem Kommentar zu den einzelnen §§; ein Verfahren, bei dem
sich einzelne, mitunter störende, Wiederholungen nicht vermeiden ließen, vgl.

18b) R.A. Dr. L. Kuhlenbeck, Das Einführungsgesetz zum Bürgerlichen
Gesetzbuche. Im Aufträge des Vorstandes des deutschen Anwaltsvereins er-
läutert. Berlin, Carl Heymanns Verlag 1901. 326 S. Pr. M. 3.
19) S. die Titelangabe Bd. XVIII S. 360 Nr. 28. Bd. 3, 1. Hälfte.
Leipzig, Roßberg & Berger 1900. 240 S. u- 240 S. Anhang. Pr. M. 5.
20) L.R. Dr. F. A. Kaufmann, Kommentar und Institutionen des
B.G.B. für Studium und Praxis. Bd. 2: Allgemeiner Theil der Schuldver-
hältnisse. Bonn, Röhrscheid & Ebbecke 1901. X u. 333 S. Pr. M. 8.50.

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