Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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über der herrschenden Meinung verneint, indem er dafür mit einer Bereiche-
rungsklage aushelfen will. S. ferner die bedeutenden Ausführungen zu 8 376,
S. 307, 308; die ausführliche Untersuchung S. 327ff. über „Aufrechnung und
Prozeß", wie überhaupt die Grenzgebiete zwischen dem materiellen und Prozeß-
rechte mit besonderer Liebe und Sachkunde gepflegt sind. Natürlich bleibt auch
der Widerspruch mehrfach nicht aus; so scheint mir das zu 8 409, S. 385, Ge-
sagte nichts weniger als überzeugend.
Hinter Schollmeyer's Arbeit steht die von Schmidt kaum zurück.
Auch sie ist sehr reichhaltig und gediegen, benutzt vortrefflich die — zu Eingang
der einzelnen Paragraphen mitgetheilte — Literatur und zeichnet sich besonders
aus durch eine ausführliche Wiedergabe der einschlägigen landesrechtlichen
Ausführungsbestimmungen. Auf das alte Recht wird kurz, aber ausreichend,
eingegangen. Die Darstellung ist klar, die Anordnung übersichtlich. In den
Ergebnissen wird man dem Verfasser meist beistimmen können; nur selten hat
sich der Widerspruch bei der Lektüre in mir geregt. So geht es doch wohl zu
weit, wenn Schmidt S. 1 einfach behauptet, daß die Sätze des Familienrechts
absoluter Natur seien, d. h. Anerkennung von jedermann verlangen. Für
das Vormundschaftsrecht z. B. trifft das doch im Allgemeinen nicht zu, weshalb
es manche, wie Windscheid, in allerdings kaum empfehlenswerther Weise zum
Obligationenrechte stellen zu sollen glaubten. Bedenklich scheint mir die zu
8 1382 verfochtene Annahme, wonach die Frau trotz desselben gemäß 8 45
K.O. beweispflichtig sein soll dafür, daß die in Frage stehenden Haushaltsgegen-
stände nicht mit Mitteln des Mannes erworben sind. M. E. geht 8 J -382 für
diese Frage dem 8 45 vor: schon weil er zweifellos als lax singularis an-
zusehen ist.
In der Auffassung des Verlöbnisses steht Verfasser der Auffassung von
Stutz (s. XVIII, 392), ohne sie zu kennen, ziemlich nahe, s. S. 5ff. -- Zu-
treffend und gut begründet sind die Erörterungen S. 196, wonach nicht jeder
im Namen der-Frau geführte Betrieb eines Erwerbsgeschäfts ohne weiteres
den Erwerb daraus zum Vorbehaltsgut der Frau macht. Auch daß der Mann
am Eingebrachten der Frau bloß unmittelbaren Besitz habe (s. S. 211—212),
scheint mir, trotz der zahlreichen Widersacher, eine sichergestellte Annahme.
Von den noch ausstehenden Partien des Familienrechts wird Schmidt
die 88 1432—1588, Habicht den Rest bearbeiten.
k) Von Scherer's Kommentar"-) liegt mir nun auch als Abschluß das
Erbrecht vor. Es schließt sich in Anlage und Eigenart durchaus an die zuletzt
besprochenen (s. XVIII S. 356) anderen Theile des Werkes an, sodaß ich mich
hier auf früher Gesagtes beziehen kann. Anzuerkennen ist wiederum der große
Fleiß des Verfassers, seine Belesenheit in der gesammten früheren Rechtsprechung,
die stete Anknüpfung an die bisherigen Rechte. Aber auch diesmal stören Un-
gleichmäßigkeiten und Absonderlichkeiten den Werth und die Benutzbarkeit des
18*) R.A. Dr. M. Scherer, Erbrecht des B.G.B. für das'Deutsche Reich.
Erlangen, Palm & Enke 1900. LIV u. 402 S. Pr. M. 8,80.

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