Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

Hier ist dieser Kommentar den anderen bisher soweit vorgerückten an Stoff-
reichthum ganz entschieden überlegen. Auch die von Staudinger und Kober
bearbeiteten Theile erscheinen als überwiegend wohlgelungen; u- A. tritt in
der vom letzteren gegebenen Erläuterung des Miethrechts ein gutes Verständniß
sür dessen soziale Bedeutung und eine glückliche Verwerthung des Zweck-
gedankens für die Auslegung zu Tage- Minder gut hat mir u. A. die Darstellung
der Anweisung gefallen; die bei 8 788 offensichtliche, recht weitgehende Ab-
hängigkeit von meinen Gedankengängen ist mir zwar persönlich recht schmeichel-
haft, übersteigt aber das sachlich berechtigte Maß. Die Beweisführung ferner
bei § 793, Nr. V, 3, der Aussteller dürfe auch wissentlich an den nicht berech-
tigten Inhaber zahlen, da er damit immerhin ein Recht ausübe, bleibt doch an
der Oberfläche haften. Doch solche und andere Ausstellungen sollen dem Ge-
sammtwerthe der tüchtigen Arbeit nicht zu nahe treten.
Im Ganzen noch gelungener, dafür aber langsamer fortschreitend, sind die
Bemerkungen von Löwenfeld zum ersten und Herzfelder zum fünften Buche.
Indem ich mich zugleich auf früher Gesagtes beziehe, behalte ich mir ein weiteres
Eingehen darauf für die Zeit nach ihrer Vollendung vor.
a) Erheblich bedächtiger rückt der schwergerüstete Beck'sche Kommentar
von der Stelle, dafür wird er aber auch nach seiner Vollendung in Bezug auf
Vollständigkeit und wissenschaftliche Vertiefung den höchsten Ansprüchen genügen-
Jinmerhin hat uns die Berichtsperiode wenigstens zwei stattliche Hefte davon
bescheert.'b) Schollmeyer hat den Allgemeinen Theil der Schuldverhältnisse
(s. Bd. XVII a. a. O.) nunmehr vollendet und damit ein Werk geschaffen, das
für die behandelten Materien an Gründlichkeit und Ausführlichkeit alle anderen
Kommentare übertreffen dürfte. Das bisherige Recht und seine Literatur
werden freilich nicht so, wie es vielleicht wünschenswerth gewesen wäre, benutzt,
desto intensiver aber die bereits zum B.G.B. so zahlreich erwachsene und werth-
volle neue.' Und zwar nimmt Verfasser zu den Ansichten feiner Vorgänger
überall sehr entschieden Stellung, sie vielfach siegreich widerlegend — ich muß
das in nicht wenigen Punkten auch von mir selbst zugeben — und überall,
auch wo er nicht überzeugt, durch den Scharfsinn und die Besonnenheit seiner
Kritik die behandelten Probleme tüchtig fördernd. So ist das Buch für diesen
Theil des neuen Rechtes eine wahre Fundgrube, sowohl für den Praktiker als
— vielleicht noch mehr — den zu eigener Arbeit daraus schöpfenden Theoresiker.
Um das wenigstens an ein paar herausgerissenen Einzelpunkten zu erhärten,
verweise ich auf die trefflichen Bemerkungen zu 8 365, Nr. 2 a ß über die strittige
Frage, Wieweit dabei der Schuldner zur Wiederherstellung der voni Gläubiger
aufgegebenen Forderung verpflichtet sei, eine Frage, die Schollmeyer gegen-

'«) S. die Titelangabe Bd. XVII S. 324 Nr. 2b. Bd. 2, Recht der Schuld-
verhältnisse, erläutert von Prof. vr. Fr. Schollmeyer. Lieferung 2, S. 273
bis 449. München, Beck 1900. Pr. M. 3,50. — Band 4, Familienrecht, er-
läutert von Prof. vr. ArthurB.Schmidt und Landgerichtsrath vr. H. H a b i ch t.
Lieferung 1, 344 S. Ebenda. Pr. M. 6,40.

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