Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Oertmann.

Punkte Widerspruch erheben: daß der Aussteller frei werde, wenn er wissentlich
an einen nicht berechtigten Inhaber leiste. Daß die von Dernburg und mir
(jetzt auch Jacobi, s. unten bei No. 58) vertretene gegentheilige Lehre dem
Aussteller eine lästige Prüfungspflicht aufbürde, ist keineswegs zutreffend.
Dann nur noch ein paar Worte über das Sachenrecht als neu begonnenen
Theil. Auch seine Darstellung ist überall reichhaltig und gediegen, in vielen
Partien besonders ausführlich, namentlich in den Vorbemerkungen. Interessant
waren mir u. A. die Erörterungen über den Charakter der sachenrechtlichen
Einigung, die nach dem Bearbeiter nur ein dem Vertrage verwandtes Ge-
bilde sein soll, während Planck selbst in einer Note dazu an seiner früheren
Lehre, sie sei wirklich ein Vertrag, festhält, S. 19. Andere hervorzuhebende
Ausführungen finden sich über den Charakter des Besitzes, S. 29, 30 (ein that-
sächliches Verhältniß, kein Rechtsverhältniß oder gar subjektives Recht), während
der Standpunkt des Bearbeiters gegenüber dem Begriffe der Vormerkung
nicht den wünschenswerthen Grad der Abgeklärtheit erreicht haben dürfte (s.
S. 71, 95).
Ueber die Darstellung des E.G. werde ich mich im demnächstigen Schluß-
referat nach Vollendung des Gesammtwerkes verbreiten.
5) Neuestens ist von der Niedner'schen Bearbeitung des Einführungsgesetzes
in dem bei Carl Heymann erscheinenden Kommentar bereits eine zweite
Auflage nothwendig geworden;^') ein rühmliches Zeichen für die Verwerth-
barkeit dieses in der Kritik mit Recht allgemein beifällig aufgenommenen Werkes.
Die Neuauflage weist, wie schon aus dem Anwachsen der Seitenzahl um 150
hervorgeht, sehr erhebliche Aenderungen auf; die inzwischen erschienene Literatur,
insbesondere Habicht, ist auf das Gewissenhafteste verwerthet; die mehrfach
abweichende Stellungnahme des Verfassers gegenüber dem letztgenannten Buche
wird besonderes Interesse erwecken. Vor Allem aber zeigt sich der Fortschritt
gegenüber der ersten Auflage in der durchgängigen Heranziehung der inzwischen
erlassenen Ausführungsgesetze der Einzelstaaten, mit Rücksicht auf welche der
von den Uebergangsbestimmungen handelnde 4. Abschnitt fast völlig umgestellt
werden mußte.
Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß Niedner's Werk in seiner
neuen Gestalt an der Spitze der gesammten kommentatorischen Literatur zum
Einführungsgesetze steht. Sicherlich wird ihm der literarische Erfolg auch weiter-
hin treu bleiben.
c) Meisner*") legt als dritten Band seines Kommentars das Sachen-
recht fertig vor. Derselbe entspricht in der Grundlage den früher (XIV, 355

15“) S. die Titelangabe Bd. XV S. 429 Nr. 22. — L.R. A. Niedner, Das
Einführlingsgesetz. Zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage. Berlin, Carl
Heymanns Verlag 1901. XXXII u. 500 S. Pr. M. 10.
16) Sen-Präs. Dr. I. Meisner, Das B.G.B. für das deutsche Reich
kommentirt. Buch III, Sachenrecht. Breslau, Marcus, 1901. VIII u. 335 S.
Preis M. 5.

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