Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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durch Fettdruck derselben aufmerksam zu machen. Ich würde dies Unternehmen
für recht verdienstvoll halten - wenn ich die Ueberzeugung erlangen könnte,
daß sich über die Auswahl der dahin zu rechnenden Worte ein auch nur an-
näherndes Einverständniß erzielen ließe. Aber gerade gegenüber einem Gesetzbuche,
dessen im Allgemeinen peinlich genau redigirter Text uns zwingt, vielfach jedes
einzelne Wort auf die Goldwage zu legen, ist es doppelt mißlich, gerade einzelne
Worte in der Krückmann'schen Art zu markiren; von anderen, möglicherweise
eben so wichtigen und leicht übersehbaren wird dadurch die Aufmerksamkeit um
so eher ab gelenkt. Man wird es dem einzelnen Dozenten überlassen müssen,
in seiner Vorlesung auf dies oder jenes Wort selbständig als besonders beachtbar
hinzuweisen, anstatt die Krückmann'sche Ausgabe dafür ein für allemal zur
unverrückbaren Richtschnur zu nehmen.

Viel wichtiger als derlei Experimente sind natürlich die Kommentare,
die in der Berichtsperiode wieder manchen erfreulichen Fortschritt aufweisen.
a) Das gilt besonders von dem stets in erster Reihe zu nennenden Planck'-
schen Unternehmen,") zu dessen bereits früher besprochenen 8 Lieferungen nicht
weniger als 10 neue getreten sind. Sie vollenden die Theile II und IV, Schuld-
verhältnisse und Familienrecht, in den Lieferungen 13, bezw. 11 und 15;
nehmen das Sachenrecht in Angriff (Lief. 10 und 16, bis 8 1007), fördern
das Erbrecht bis 8 2302 (Lief. 9, 12 und 17), und erledigen schließlich vom
Einführungsgesetz in Lief. 14 und 18 die ersten 179 Artikel. Mit Aus-
nahme des Sachenrechts, dessen Fortschritt durch den Tod des dazu ausersehenen
Bearbeiters Achilles gehemmt sein dürfte, ist demnach die baldige Vollendung
aller Theile des großen Werkes, der gewiß alle deutschen Juristen mit Spannung
entgegensehen, zu erwarten.
Da ich mich über Eigenart und Werth des Planck'schen Unternehmens
im „Archiv" bereits wiederholt verbreitet habe, darf ich mich diesmal mit dem
Hinweise begnügen, zumal es sich meist um schon früher begonnene und ge-
würdigte Theilarbeiten handelt. Um nur auf das mir durch eigene literarische
Arbeit besonders nahe liegende Schuldrecht einzugehen, so glaube ich den vor-
liegenden Schluß der And raschen Bearbeitung als besonders ausgiebig und
durch gute Benutzung der bisherigen Literatur hervorragend bezeichnen zu dürfen.
Eindrucksvoll waren mir besonders die Erörterungen über die Anweisung
(Vordem., S. 531—534), wo u. A. gegen deren Unterordnung unter den Voll-
machtsbegriff (Lenel) mit guten Gründen polemisirt, ferner S. 537 gegenüber
meinem Kommentar der Vertragscharakter der Anweisungsannahme verfochten
wird. Besonders stattlich nehmen sich die Erörterungen zu den beiden letzten
Titeln des Buches, vielleicht zugleich seinen schwierigsten, aus. — In dem Ab-
schnitt über Jnhaberschuldverschreibungen muß ich in einem grundsätzlich wichtigen

") S. die Titelangabe Bd. XV S. 428 Nr. 21. Es umfassen vollständig
Bd. 2: XIV u. 651 S., Bd. 4: XII u. 667 S.

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