Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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von der Reichstagskommission eingefügten 8 2316 Abs. 4 gegenüber Stroh al,
S. 401. In der Lehre von der Erbenhaftung vertritt Kipp mit knappen, aber
m. E. durchschlagenden Gründen die Lehre, wonach diese zunächst unbeschränkt
ist, aber beschränkbar, S. 464.
Lehmann legt in seiner dankenswerthen Bearbeitung des Stobbe'schen
Handbuchs nunmehr, rüstig voranschreitend, auch das Familienrecht in einem
stattlichen Bande n) vor. Wie die früheren Theile, bietet auch dieser eine höchst
gediegene und werthvolle Darstellung, in welche das neue Recht ausführlich
hineinverwebt ist.
Der Verfasser geht auch für das bisherige Recht über Stobbe in gar manchen
Punkten hinaus, wo es ihm angesichts neuerer Forschungen oder auch nur wegen
seines abweichenden eigenen Standpunkts angebracht erschien, s. statt aller Belege
nur die gute Polemik gegen das Kousolidationsprinzip in der Lehre von der
Verfangenschast, S. 147.
Deutlicher vielleicht, als irgend ein anderes Werk, zeigt Stobbe-Leh-
mann die auf dem Gebiete des ehelichen Güterrechts bislang herrschende un-
geheure partikularrechtliche Zersplitterung; aus ihr die gemeinsamen Gesichts-
punkte herauszuschälen, war eine ebenso schwierige, wie dankenswerthe Aufgabe.
Der Herausgeber konnte mit Fug sagen (S. 148): „Für keine Materie ist vor
ihm (dem B.G.B.) ein gemeines oder allgemeines Recht weniger eine Wahrheit
geworden, und nirgends ist es bedenklicher, die unvollständigen Vorschriften
eines Partikularrechts aus dem allgemeinen Wesen des Instituts zu ergänzen".
Wegen des Zusammenhangs mit den von Stobbe-Lehmann behandel-
ten Materien sei hier gleich auf eine Dissertation von H. Meyer*2) aufmerksam
gemacht, die sich durch gute Darstellungsweise und gründliches Quellenstudium
von dem Durchschnitte derartiger Erstlingsarbeiten vortheilhaft abhebt. Das Wesent-
liche beim Einkindschaftsvertrag ist nach M. die Begründung eines unentziehbaren
vertragsmäßigen Erbrechts, ohne daß er darum geradezu als Erbvertrag bezeich-
net werden dürste. Für das heutige Recht kann die Statthaftigkeit des Ver-
trags auch nicht unter Berufung auf die allgemeine Vertragsfreiheit gestützt
werden, wohl aber läßt sich das wesentliche Ziel der Einkindschaft durch Ver-
bindung eines Erbvertrags mit gewissen anderen Verträgen erreichen, S. 100, 106.
Als dem gemeinen Recht zugehörig bezeichnet sich schon durch den Titel die
warm geschriebene, auf gründlichen Studien beruhende Untersuchung Sturm's^)
über das alte und ewig reizvolle Problem des Gewohnheitsrechts. Ein

") Handbuch des deutschen Privatrechts von O. Stobbe. Bd. 4, Dritte
Auflage, bearbeitet von Prof. H. O. Lehmann. Familienrecht. Berlin, Hertz
1900. VIII u. 664 S. Pr. M. 12.
12) Referendar H. Meyer, Die Einkindschaft. Breslauer Dissertation von
1900. Breslau, M. u. H. Marcus. 412 S. Pr. M. 2.
,3) R.A. Dr. Aug. Sturm, Revision der gemeinschaftlichen Lehre vom
Gewohnheitsrecht unter Berücksichtigung des neuen Reichsrechts. Leipzig, Duncker
u. Humblot 1900. VIII u. 291 S. Pr. M. 7.

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