Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Civilistische Rundschau.

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genannten Klagen vorkommt. Mißlingt der Beweis des Darlehens, so kann
das thatsächlich Gezahlte noch mit der condictio zurückgefordert werden. Bei
Justinian verschmolzen die im spätklassischen Rechte noch vorhandenen Unter-
schiede der Klagen, S. 55. Der weiteren Behauptung des Verfassers, daß die
condictio incerti schon der klassischen Zeit angehört habe (S. 29), trete ich rück-
haltlos bei.
In der zweiten Abhandlung versucht Stintzing das räthselhafte Institut
des possidere pro possessore zu erklären. Er vertheidigt dasselbe gegen die
Angriffe Leonhard's, aber seine eigene Beweisführung scheint mir nicht im
Stande, den Schleier zn lüsten — sagt er doch selbst, daß in seiner Annahme, daß
p. x. p. „liege im fehlerhaften Besitzerwerb, unabhängig von der causa" (S. 127),
„etwas Unbefriedigendes bleibe", S. 120.
Umfassender ist die dritte Arbeit aus dem Gebiet der römischen Rechts-
geschichte. Wenger's Schrift8 9) über die actio iudicati behandelt einen gleich-
falls schlvierigen Gegenstand mit guter Quellen- und Literaturkenntniß. Gegenüber
Bekker lehrt der Verfasser, daß es eine eigentliche actio iudicati nicht nur in
Ausnahmefällen gegeben habe, sondern regelmäßig, und zwar auch im Kognitions-
prozeß, S. 255. Sie führt nicht immer zur Litisereseenz. Allerdings kommt
diese öfters vor, höchstwahrscheinlich schon als Zwölftafelrecht (S. 106, 259),
aber sie tritt nicht überall ein, so nicht dort, wo die Exekutionsbeschränkung des
beneficium competentiae gegenüber der Judikatsklage geltend gemacht wird.
Es muß also in jedem Falle untersucht werden, ob im technischen Sinne etue
„infitiatio“ vorliegt, S. 95, auch 40, 42, 49.
Auch sonst bietet die Schrift manche interessanten Einzelheiten, die aber
für die Mittheilung im Referat zu minutiös sind, s. z. B. S. 91.

Dem Gebiete der deutschen Rechtsgeschichte gehört die umfassende Unter-
suchung Scherer's9) über die Rechtsverhältnisse der Juden in Oesterreich an.
Sie ist sehr umfassend und außerordentlich gediegen, überall ans zum Theile ab-
gelegenen urkundlichen Belegen und anderen Quellen aufgebaut, und giebt in
lichtvoller Darstellung ein anschauliches Bild von den Verfolgungen, der Ver-
breitung, den Rechtsverhältnissen der Juden. Im Ganzen überwiegt das historische
Interesse das juristische, obwohl auch für die Rechtsgeschichte das Werk keines-
wegs unergiebig ist; so finden sich z. B. zur Geschichte des Zins- und Pfand-
rechts beachtenswerthe Erörterungen.
Vorwiegend historisches und volkswirthschaftliches Interesse bietet auch die
Studie des rührigen Eberstadt über die Entstehung des Zunftwesens, die sich

8) Dr. iur. Leop. Wenger, Zur Lehre von der actio indicati. Graz,
Leuschner & Lubensky 1901. X u. 271 S. Pr. M. 4,60.
9) Dr. I. E. Scherer, Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch-
österreichischen Länderil. Leipzig, Duncker & Humblot 190t. XX u. 672 S.

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