Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Elgenthümerhypothek.

31

er auf Grund eines nichtigen oder anfechtbaren Rechtsgeschäfts ins
Leben gerufen ist? Ist er einmal entstanden, so hindert ihn seine
Natur nicht im Mindesten, weiter zu existiren, auch wenn die causa
efficiens, die ihn ins Leben gerufen hat, in Wegfall gekommen ist.
Ein Pfandrecht ist in einem solchen Falle nicht entstanden; denn ein
solches kann nur entstehen, wenn neben dem Sicherungsmittel auch das
zu Sichernde (die Forderung) vorhanden ist. Daß aber dies von
Hause aus als Sicherungsmittel ins Leben gemfene Rechtsgehäuse nicht
auch dem Eigenthümer gegenüber eine der geplanten entsprechende
Funktion sollte versehen dürfen, weil sie die ursprüngliche Funktion als
Sicherungsmittel zu dienen, nicht mehr verwirklichen kann, wird man
doch im Ernst nicht behaupten.
Wozu also der Lärm, was steht den Herren zu Diensten?
IV.
Und damit wäre der höchst tiefsinnig klingende Satz von der Ver-
selbständigung der Hypothek im Bürgerlichen Gesetzbuche, von dem Ab-
streifen ihrer accessorischen Natur, von dem auf-eigene-Füße-gestellt-sein,
die ein deutscher Professor bereits in einem Sprüche verewigt hat, auf
seinen wirklichen Werth zurückgeführt.
Die Wahrheit ist, daß das Bürgerliche Gesetzbuch nicht etwa zwei
Arten von Hypotheken im Sinne von Grundstücksbelastungen kennt,
von denen die eine von einer Forderung abhängig, die andere es nicht
ist, was lediglich im Verhältnisse von Hypothek und Grundschuld zu-
trifft, sondern daß es unter einer suggestiven Gesammtbezeichnung zwei
ganz verschiedene Dinge, ja sogar zwei Gegensätze geschaffen hat. Der
Ausdruck Eigenthümerhypothek mag nun trotz seiner sprachlichen Wider-
sinnigkeit hingehen, weil er an eine Gedankenreihe anklingt, die in der
That von zwei Thatbestandsmomenten ausgeht, von denen das eine in
dem bezeichueten Objekte vorhanden ist, das andere darin durch Ab-
wesenheit glänzt: der Eigenthümer und die Hypothek! Diese Letztere
darf aber um des Himmels willen nicht ernst genommen werden, sonst
ist sie ein Irrlicht, das das juristische Denken in den Sumpf ganz un-
haltbarer Begriffsmonstrositäten hineinlockt.
Ganz zutreffend hat Staub bereits diese Monstrosität gegeißelt.
Wenn es ihm freilich auch nicht gelungen ist, des Räthsels — das
notabene keines ist — Lösung zu finden, so liegt dies daran, daß

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer