Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

so

Julian Goldschmidt.

hat daher Dernburg (Sachenrecht S. 603) darauf hingewiesen, daß
der künftigen Rechtsprechung der Ausbau des Prinzips aus § 1163
überlassen werden könne. „Es ist auffallend", so heißt es a. a. £>.,
„daß z. B. ein nacheingetragener Gläubiger vorrücken soll, wenn das
früher eingetragene Pfandrecht in Folge Betrugs angesochten wird,
nicht aber, wenn die Forderung, um deren Willen die Eintragung
geschah, solche Anfechtung erfährt". Die Quelle dieser von Dernburg
mit Recht gerügten Inkonsequenz ist leicht zu finden. Sie entspringt
der hypnotisirenden Wirkung des Kunstausdrucks. Der Ausdruck Eigen-
thümerhhpothek allein und ganz allein ist es also, der alles theoretische
Unheil angerichtet hat. Die Hypothek des Eigenthümers ist, wenn
man den tormiuas toeimious wörtlich nimmt, die Quadratur des
Zirkels: eine Hypothek, die keine ist. Aber weil sie nun einmal so
heißt, so wird nach dein geheimnißvollen Grunde geforscht, waruin sie,
da sie nun diesen Namen trägt, nicht auch die ihr damit gegebene Be-
deutung haben sollte. Waruin, — so fragten seit den preußischrecht-
lichen Versuchen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts bis in unsere
Tage hinein die preußischen Juristen — giebt es bei der Eigenthümer-
hypothek kein Forderungsrecht, in dessen Dienste sie steht? Die Antwort
liegt auf der Hand. Die Eigenthümerhypothek ist weder eine Hypothek
minus Forderung, noch auch eine künftige Hypothek, die des Gläubigers
harrt, sondern sie ist das Gegentheil der Hypothek, obschon sie ihre
äußere Hülle bewahrt hat. Diese äußere Hülle aber, der grundbuch-
mäßige Apparat, welcher dem Eigenthümer, sobald die Hypothek er-
loschen ist, nur als Handhabe dazu dienen soll, um sie wieder neu zu
begründen, sobald der für den in diese Hülle aufs Neue hinein zu
bringende Inhalt einen Abnehmer findet, ist für die rechtliche Natur
dessen, was darin enthalten ist, nur von untergeordneter Bedeutung.
Mit der Eintragung ist nur diese Hülle geschaffen. Sache des Eigen-
thümers ist es, ihr den für sie bestimmten Rechtsinhalt durch Her-
stellung eines persönlichen oder dinglichen Schuld- oder Haftungs-
verhältnisses zwischen ihm und einem Anderen zu geben. So lange
jener Inhalt nicht vorhanden ist, besteht die Funktion dieses Apparats
lediglich in der Sichtbarmachung nach Außen, daß der in ihm ent-
haltene Raum nicht etwa ein juristisches Vakuum ist, sondern mit einer
aus dem Eigenthum herrührenden Rechtssubstanz ausgefüllt ist. Warum
sollte also diesem Apparate die vorerwähnte Funktion versagt sein, wenn

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