Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Julian Goldschmidt.

verliehener Effekt ist, kann nicht bezweifelt werden. Die Dinglichkeit ist,
wie die Verjährung, die erlaubte Selbsthülfe, das Jnventarrecht und
zahlreiche andere durch positiven Rechtssatz mit besonderer Rechtswirkung
ausgestatteten Veranstaltungen des Privatrechts mit Nichten der Aus-
fluß der bloßen Parteiwillkür, des subjektiven Rechtes. Dieses vermag
eine solche nicht zu erzeugen, sondern nur in Bewegung zu setzen. Es
ist nicht der Eigenthümer, der kraft der Selbstherrlichkeit seines Willens
jeden Dritten hindert, seine Gewalt über die Sache zu beeinträchtigen.
Es ist die Rechtsordnung, die ihn dazu in den Stand setzt, indem sie
ihm einen ad hoc konstruirten Apparat zur Verfügung stellt, mit dessen
Hülse er allein diejenigen Rechtswirkungen hervorzubringen vermag, die
wir als Ausfluß der Dinglichkeit kennen. Dahin gehört bei der Hypothek
die Eintragung. Ihre Rolle besteht lediglich in der Wirkung nach
Außen. Die Eigenthümerhypothek als solche bedarf dessen selbstverständ-
lich nicht. Wie kann man da also davon reden, daß die Eintragung es
ist, welche die Hypothek erzeugt, und daß diese daher, da sie nun einmal
aus diesem Wege zur Entstehung gelangt ist, auch so lange als solche
besteht, als die Eintragung selbst in dem Grundbuch ihr Dasein fristet?
Ist es nicht vielmehr eine weit natürlichere und sachgemäßere Anschauung,
wenn man die Eintragung, so lange die Eigenthümerpost im Grund-
buche nicht gelöscht ist, lediglich als einen, dem Eigenthümer zur Ver-
fügung gestellten, verwaltungstechnischen Apparat bezeichnet, mit dem
er, je nach Bedarf, bald diese, bald jene Rechtswirkung hervorzubringen
vermag. Man sieht, wohin die Ueberspannung des Begriffs einer
verkehrspolizeilichen Formvorschrift führt. Diese Ueberspannung beruht
aber auf einer offensichtlichen Täuschung. Die wiedergewonnene Ver-
fügungsgewalt über die Hypothek ist doch im Grunde nichts Anderes,
als das durch das Erlöschen des Gläubigerrechts von dem Eigenthümer
wiedergewonnene Recht, mit dinglicher Wirkung den betreffenden Antheil
an dem etwaigen Zwangserlöse des Pfandgrundstücks einem Anderen
anzuweisen. Denn eine Anweisung, und nichts als eine solche, auf
den der Rangordnung der Hypothek entsprechenden Antheil an dem
Zwangserlöse des Pfandgrundstücks ist die Hypothek, wie jedes echte
Pfandrecht. Die Eigenthümerhypothek dagegen bringt nicht etwa eine
zu Gunsten des Eigenthümers erfolgende Belastung, sondern gerade
die durch deren Beseitigung herbeigeführte Entlastung des Grundstücks
zum Ausdrucke. Die Hypothek in dem Stadium des § 1117 B.G.B. als eine

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