Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

4. Noch einmal die Eigenthümerhypothek

2.

Noch einmal die Eigenthümerhypothek.
Von Justizrath vr. Julian Goldfchmidt aus Berlin f.

I.
In zutreffender Würdigung der tiefgreifenden Unterschiede, welche
zwischen dem Pfandrecht an beweglichen Sachen, Rechten und der
Hypothek auf der einen, der Grund- und Rentenschuld auf der anderen
Seite hinsichtlich ihres rechtlichen Jnnenbaues bestehen, hat das Bürger-
liche Gesetzbuch es unterlassen, dieselben einem pfandrechtlichen Gesammt-
begriff unterzuordnen, als dessen einzelne Spielarten sie gleichsam zu
betrachten wären. Dem Sachenrecht als dem obersten Eintheilungs-
kriterium untergeordnet erscheinen sie in dem Systeme des Bürgerlichen
Gesetzbuchs lediglich als gesonderte Gruppen von Bestimmungen, in
welchen die „Dinglichkeit" in ihrer spezifischen Funktion als „Belastung"
fremden Eigenthums auftritt, zum Schutze eines Gläubigerrechts, das
von Hause aus in die scharf umrissenen Formen eines individualisirten,
exekutivischen Zugriffs gebannt ist, neben den Dienstbarkeiten, dem Nieß-
brauch und den Reallasten. Diese wiederum differenziren sich, was
die spezifische Art ihrer Dinglichkeit anlangt, je nach ihren wirthschaft-
lichen und rechtsgeschäftlichen Zwecken, unter größerer oder geringerer
Zuhülfenahme verwaltungstechnischer (Grundbuch) und rechtspolitischer
(Begründungsformen) Veranstaltungen.
Um so auffallender ist es, wenn hervorragende Rechtslehrer, wie
Dernburg, die Grundschuld und die Rentenschuld, ja sogar die Eigen-
thümerHypothek unter die „GrundstücksPfandrechte" hinein gerathen
lassen, unbekümmert darum, ob nicht diese Gemeinschaft geeignet er-
scheint, das Verständniß ihrer rechtlichen Natur durch dieses offenbare,
dein Lehrzwecke gebrachte Opfer der Erkenntniß zu trüben und zu er-
schweren. Unverkennbar kommen freilich dieser Behandlung rechts-

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