Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

16. Ist der Veräußerer einer beweglichen Sache, die er dem Erwerber unter Eigenthumsvorbehalt übergeben hat, mittelbarer Besitzer?

14.

Ist der Veräußerer einer beweglichen Sache- die er
dem Erwerber unter Eigenthnmsvorbehalt übergeben
hat- mittelbarer Geßtzer?
Von Gerichtsassessor vr. jur. Tchiefiug in Göttingen.
Bekanntlich hat das B.G.B. davon abgesehen, eine ausdrückliche
Begriffsbestimmung des Besitzes zu geben. Ein auf die Aufnahme
einer solchen in das Gesetzbuch gerichteter Antrag wurde von der zweiten
Kommission abgelehnt vor Allem, weil es nicht Sache des Gesetzes
sei, lehrbuchmäßige Definitionen aufzustellen?) Ist dies schon im
Allgemeinen richtig, so war in* * diesem Falle der Verzicht auf eine
Definition um so mehr angebracht, als die Fülle des Lebens der Ver-
suche spottet, den Begriff des Besitzes in eine ihr und der natürlichen
Anschauung gerecht werdende Formel zu gießen. Denn dasjenige that-
sächliche Verhältniß von Person zur Sache, das das Wesen des Besitzes
ausmacht, ist von solch' proteusartiger Gestalt, daß sich noch jede
Definition, wenn sie nicht völlig nichtssagend und farblos war, als zu
eng erwiesen hat. Das Gesetz beschränkt sich daher auf die Angabe,
wie der Besitz erworben (§ 854) und wie er beendigt wird (§ 856),
wonach denn das Haben der thatsächlichen Gewalt über eine Sache
als das Wesentliche des Besitzes erscheint. Regelmäßig hat also der,
welcher die Sache thatsächlich in seiner Gewalt hat, oder kürzer, wer
sie innehat, auch Besitz. Aber nur der Regel nach! Denn es giebt
Fälle, in denen Jemand, trotzdem er die thatsächliche Gewalt hat,
gesetzlich nicht als Besitzer anerkannt wird (vgl. § 855?) und nach
i) Vgl. Protokolle Bd. 3 S. 35 der Ausgabe von Guttentag.
*) Nach Planck, Kommentar zum B.G.B. zu § 855, soll der 8 855 keine
Ausnahme von dem Grundsätze des 8 854 enthalten, da die nach 8 855 die that-

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