Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Locus regit actum.

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Deutschland domizilirter Argentinier sein Testament in Argentinien
errichtet. Das Testament aber ist nach den Formvorschriften des
argentinischen Rechtes ungültig, obgleich es den Vorschriften des deut-
schen B.G.B. vollständig entspricht. Nehmen wir weiter an, daß der
Argentinier nach der Testantentserrichtung nach Deutschland zurückkehrt
und hier stirbt. Nach Art. 25 sollte das argentinische Recht maßgebend
sein. Da aber im argentinischen internationalen Privatrechte der
Wohnsitz bei Beerbung als maßgebend betrachtet wird, so wird
ans das deutsche Recht zurückverwiesen (Art. 27). Es soll also die
Beerbung — und was folgt, die Form des Testaments — dem deut-
schen Rechte gemäß beurtheilt werden. Da aber die Form des Testa-
ments nach den deutschen Gesetzen gültig ist, so findet die Ungültigkeit
des argentinischen Rechtes keine Berücksichtigung?^) Wir sehen also,
daß in solchem Falle die Rückverweisung auch den Art. 11 mittelbar
betreffen kann.
Es soll noch am Ende unserer Ausführungen bemerkt werden,
daß wenn die Vertragschließenden sich ins Ausland begebett, um die
leichtere Form eines Rechtsgeschäfts zu benutzen, wir es nicht mit
einer Handlung in fraudem legis domesticae zu thun haben.
Solcher Ansicht ist die deutsche Doktrin; in der ausländischen Lite-
ratur finden sich freilich entgegengesetzte Meinungen?^)
47) Nredner S. 31; vgl. auch Planck S. 41 dl. 3.
") Zitelmann Bd. 2 S. 151, 152; Planck S. 41 N. 4.

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