Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Knote.
liegt auch in seinem Interesse. Denn wenn er nicht nütberechtigt ist,
find die bisherigen Gesellschafter in der Lüge, ohne ihn zu fragen, über
das Gesellschaftsvermögen zu verfügen.
Man könnte nun einwenden, es sei möglich, daß die bisherigen
Gesellschafter die einzelnen Bestandtheile des Gesellschaftsvermögens auf
die durch den Zutritt des neuen Gesellschafters gebildete personen-
rechtliche Gemeinschaft übertrügen?) Aber diese Annahme würde voraus-
setzen, daß durch den Eintritt des neuen Gesellschafters eine gänzlich
neue personenrechtliche Gemeinschaft ins Leben träte, und die bisherige
Gemeinschaft nicht fortbestände.
Die Ansicht, die dem neuen Gesellschafter erst nach einem be
sonderen Uebertragungsakt Antheil anr Gesellschaftsoermögen zuschreiben
will, würde aber auch, selbst wenn eine Uebertragung möglich wäre, zu
den größten praktischen Unzuträglichkeiten führen, auf die Gierte in
seiner Anm. 3 zitirten Schrift über die Vereine ohne Rechtsfähigkeit hin-
gewiesen hat. Die Uebertragung würde leicht unterbleiben können.
Dann müßte in Zukunft ganz genau unterschieden werden, ob die be-
treffenden Gegenstände schon vor dem Eintritte des neuen Gesellschafters
zum Gesellschaftsvermögen gehörten oder nicht. Je nachdem wäre die
Zuständigkeit gänzlich verschieden. Möglicherweise könnte auch Einer
von den alten Gesellschaftern nach dem Anderen aus der Gesellschaft
ausscheiden. Nach § 738 B.G.B. müßte sein Antheil den verbleibenden
Gesellschaftern anwachsen. Zu ihnen könnte aber der neue Gesellschafter
nicht gerechnet werden. Denn eine Anwachsung kann doch nur zu
Gunsten solcher Personen stattfinden, welche bereits mitberechtigt waren.
Was soll nun aber aus dem Gesellschaftsvermögen werden, wenn der
letzte ursprüngliche Gesellschafter ausfcheidet?
Es bleibt nach Alledem nichts anderes übrig, als anzunehmen,
daß der neue Gesellschafter mit dem Abschlüsse des Gesellschaftsvertrags
auch in die Trägerschaft des Gesellschaftsvermögens hineinwächst. Die
Folgen des Eintritts eines neuen Gesellschafters entsprechen also durch-
aus den im § 738 B.G.B. ausdrücklich normirten Folgen des Aus-
scheidens eines Gesellschafters. Wie dieser seinen Antheil anr
Gesellschaftsvermögen ipso fure verliert, gewinnt der neu Eintretende
ohne Weiteres daran Antheil.

7) So Planck a. a. O.; Knoke S. 132.

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