Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Paul Knoke.

Gesellschafter nur dadurch lösen, daß wir auf das Wesen der Gesellschaft
zurückgehen.
Die Grundlage der Gesellschaft nach dem B.G.B. ist ein obli-
gatorischer Vertrag. Darin stimmt das B.G.B. mit dem bisherigen,
namentlich dem geineinen Rechte überein. Im klebrigen besteht aber
ein tiefgreifender Unterschied zwischen der gemeinrechtlichen Gesellschaft
und der des B.G.B.: während jene ein durchaus individualistisches
Gepräge zeigt, ist diese auf dem Prinzipe der gesummten Hand aufgebaut.
Jndeß darf uns diese Thalsache nicht vergessen lassen, daß die Gesellschaft
in erster Linie ein obligatorisches Rechtsverhältniß ist.
Wir müssen daher zunächst seststellen, ob in dieses obligatorische
Rechtsverhältniß neue Gesellschafter eintreten können.
Für die Gesellschaft ist die Individualität ihrer Mitglieder von
der größten Bedeutung. Das römische Recht legt aus die Identität
der Gesellschafter bekanntlich so großes Gewicht, daß es sogar den
Uebergang der Gesellschaft auf die Erben des verstorbenen Gesell-
schafters schlechthin ausschließt. 1. 35, I. 52 § 9, 1. 59 pr. D. li. t. 17,2.
Auch das B.G.B. betont die Individualität der Gesellschafter (§§ 717,
727). Wenn es trotzdem das Ausscheiden einzelner Mitglieder und
den Eintritt der Erben zuläßt, so könnte man geneigt sein, darin das
Durchbrechen eines Prinzips zu erblicken. Eine nähere Betrachtung
zeigt indessen, daß es sich dabei nur um Ausnahmen von einer Regel
handelt, und daß das Prinzip anders zu formuliren ist.
Wenn das B.G.B. die Individualität der Gesellschafter betont,
so thut es das zu dem Zwecke, um die Interessen der Gesellschafter
zu schützen. Das Gesellschaftsverhältniß beruht in ganz besonderem
Maaße auf dem persönlichen Vertrauen zu den Mitkontrahenten. Die
Gesellschafter treten durch den Gesellschafsvertrag zu einander in eine
so enge Beziehung, daß ihnen nicht zugemuthet werden kann, sich an
Stelle des einen Gesellschafters einen andern gefallen zu lassen. Aber
das G.B. würde über das Ziel hinausschießen, wenn es den Eintritt
eines neuen Gesellschafters an Stelle eines alten auch dann verbieten
wollte, wenn alle Gesellschafter mit diesem Wechsel einverstanden sind.
Denn wenn der Wechsel den Interessen der übrigen Gesellschafter
entspricht, hat das G.B. keinen Anlaß, ihn zu verbieten. Wir
müssen daher annehmen, daß die Individualität der Gesellschafter nach

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