Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

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Bendix.

Leistung richtet? H Wäre das Kreditmandat Bürgschaft, so müfjte
Gültigkeit angenommen werden, da die Bürgschaft auch für eine
bereits entstandene Hauptschuld eingegangen werden kann nrtb häufig
eingegangen wird.
Die Widerrufsbefugniß des Mandanten, die .Kündigungsbefugnis;
des Beauftragten bestimmt sich nach § 671. Hieraus folgt, das;
der Machtgeber berechtigt ist, den ertheilteu Auftrag jederzeit der-
gestalt zu widerrufen, daß dadurch das Mandat sein Ende erreicht,
der Beauftragte somit nicht mehr befugt ist, auf Grund des Mandats
dem Dritten weiter Kredit zu gewähren. Dem Bürgen, also auch dem
Kreditbürgen steht dagegen das Recht nicht zu, seine bestehende Bürg-
schaft dem Gläubiger ohne Weiteres auszukündigen? 7) Dem Be
auftragten liegt es ob, bei Erledigung des Auftrags, insbesondere
auch bei der Beitreibung der Forderung die im Verkehr erforderliche
Sorgfalt anzuwenden. Der Gläubiger haftet dem Mandator für allen
innerhalb des Vertragsverhältnisses durch culpa levis zugefügten
Schaden, er darf dessen Risiko durch sein Verschulden nicht vergrößern.
Er steht nicht nur für jeden durch seine Nachlässigkeit herbeigeführten
Verlust des Anspruchs gegen den Dritten, sondern auch für jede schuld-
hafte thatsächliche Entwerthung dieser Obligation ein. Die gleiche
Diligenzpflicht hat er zu beobachten bei der Anmeldung seiner Forderung
im Konkurse des Dritten, bei den Stundungen, die er ihm gewährt,
bei seiner Ausklagung und Vornahme der Zwangsvollstreckung gegen
ihn. Eine solche Diligenzpflicht bestände über die Vorschriften der
§§ 157, 242 hieraus nicht, wenn das Kreditmandat Bürgschaft wäre?Z
Der Gläubiger erlangt durch die Bürgschaft, auch durch die Kredit-
bürgschaft an sich nur Rechte, ohne Verpflichtungen zu übernehmen;
er kann deshalb dem Bürgen mangels eines besonderen Rechtsgruudes
nicht haftbar sein; er erscheint ihnr gegenüber zur sorglichen Bewahrung
der Klagerechte, welche er gegen die Hauptschuldner hat, nicht ohne

2«) 1. 12 8 14 1). marid. 17. 1.
27) Striethorst's Archiv Bd. 62 S. 26.
28) Bendix, Privatrecht S. 484; Sokolowski, Die Mandatsbürgschaft
S. 131 ff. bezeichnet es allerdings als die vornehmste Wirkung und Eigenthüm-
lichkeit der Mandatsbürgschaft, daß sie das rechtliche Verhältniß zwischen Bürgen
und Gläubiger nach den Grundsätzen der dona fides regelt.

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