Full text: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

Kreditauftrag.

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verrechnen. Dagegen gewährt bei dein Kreditauftrage der Kapitalist
t>em Dritten auf eigene Rechnung Kredit, die Kreditgewährung stellt
sich mithin in Ansehung des ökonomischen Erfolgs als sein eigenes,
nicht als ein fremdes Geschäft dar; ihm fliehen die Vortheile daraus zu,
ihn treffen die Nachtheile. Hat er z. B. zu einem höheren Zinssatz als
dein üblichen kreditirt, so fällt ihiil der Gewinn zu, giebt er Geld
zinslos hin, so trifft ihn der Verlust. Er ist also trotz § 667 nicht
verpflichtet, die aus der Geschäftsbesorgung erlangten Vortheile dem
Kreditmandanten herauszugeben, aber auch nicht berechtigt, von diesem
Vorschuß gemäß § 669 und bei Entstehung einer Verbindlichkeit des
Dritten Ersatz für die zum Zwecke der Ausführung des Auftrags ge-
machten Aufwendungen gemäß § 670 zu beanspruchen. Hierdurch wird die
Mandatsnatur des Kreditauftrags nicht berührt. Freilich muß der
Mandatar zu einer Leistung für den Mandanten beauftragt, dieser,
wenn auch nicht nothwendig an der Thatsache der Ausführung, so
doch jedenfalls an der Art derselben interessirt sein. Aber dieses
eigene Interesse des Mandanten wird dadurch auch gar nicht aus-
geschlossen , daß der wirthschaftliche Erfolg der Kreditirung, ihr
Nutzen und Schaden zunächst in der Person des Beauftragten eintritt.
3. Gehört mithin zum Wesen des Kreditauftrags ein rechts-
gültiges Auftragsverhältniß mit dem angegebenen Inhalte, so folgt
daraus, daß das Institut nach den Grundsätzen über den Auftrag be-
urtheilt werden muß; die §§ 662 ff. finden, soweit der besondere
Inhalt des Kreditmandats es zuläßt, unmittelbare Anwendung.
Der § 778 schränkt diese Folgerung nur nach einer Richtung hin ein.
Der Auftraggeber haftet dein Beauftragten für die aus der Kredit-
gewährung entstehende Verbindlichkeit des Dritten als Bürge. Also
das Kreditmandat verwandelt sich weder vor noch nach seiner Aus-
führung in eine Bürgschaft, sondern ist und bleibt Mandat; nur
die Haftung des Mandanten gegenüber dem Beauftragten
für die aus der Kreditertheilung resultirende Verbindlichkeit
des Dritten ist die des Bürgen, nicht die ex jnandato.
Das Kreditmandat wird mithin formlos wirksam abgeschlossen;
eine schriftliche Erklärung des Mandators ist entgegen dem § 766 zur
Gültigkeit des Vertrags nicht erforderlich.
Der Auftrag ist aber nichtig, wenn er erst nach der Kredit-
gewährung ertheilt wird, da er sich alsdann auf eine unmögliche

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