Volltext: Archiv für bürgerliches Recht (Bd. 20 (1902))

160 Bendix.
fragen thunlichst zu vermeiden. Die Dispositivvorschrift des § 680
des ersten Entwurfs ging deshalb dahin.
„Hat Jemand den ihm von einem Anderen ertheilten
Auftrag, in eigenem Namen und für eigene Rechnung einem
Dritten Kredit zu geben, angenommen, so ist das aus dem
Vertrage entstehende Rechtsverhältniß, so weit nicht ein
anderer Wille der Vertragschließenden erhellt, nicht nach ben
Vorschriften über den Auftrag, sondern nach den Vorschriften
über die Bürgschaft zu beurtheilen."
Hiernach sollte dem Parteiwillen die entscheidende Bedeutung für
die Anwendung der Rechtssätze zukommen, wobei jedoch die An-
schauung zu Grunde lag, daß mit einem Kreditauftrage regelmäßig
eine Bürgschaft intendirt und deshalb das Vertragsverhältniß nach
den Grundsätzen über die Bürgschaft zu beurtheilen sei, die Mandats-
grundsätze sollten nur ausnahmsweise Platz greifen, soweit die In-
tention der Kontrahenten erkennbar nicht blos auf Uebernahme der
Bürgschaft für die Kreditbewilligung, sondern gerade auf den Abschluß
eines Mandats gerichtet gewesen isst
Indem hier der Auftrag regelmäßig als eine äußere bedeutungslose
Form behandelt wurde, wurde das Wesen und der rechtliche Charakter
des Kreditauftrags verkannt/'') der mit der Kreditbürgschaft nicht
identifizirt und nicht verwechselt werden darf. Dieser Erwägung
verdankt der § 778 des Gesetzes, welcher also lautet:
„Wer einen Andern beauftragt, inr eigenen Namen und aus
eigene Rechnung einem Dritten Kredit zu geben, haftet dem
Beauftragten für die aus der Kreditgewährung entstehende
Verbindlichkeit des Dritten als Bürge."
seine jetzige Fassung.
Laut der Kommissionsprotokolle16) erkannte man an, daß der
dieser Aenderung zu Grunde liegende Antrag von dem Entwürfe darin
abweiche, daß er nicht auf das durch Annahme des Kreditauftrages
entstehende Rechtsverhältniß die Bestimmungen über die Bürgschaft
für anwendbar erkläre, sondern nur ausspreche, daß der Auftraggeber
16) Rothenberg, Archiv für civilistische Praxis Bd. 77 S. 329.
16) Vgl. Mugdan's Materialien, Recht der Schuldverhältnisse S. 1032;
Haidlen Anm. 1 zu § 778 B.G.B.

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